Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenbahnbau. 371
kommenes erreicht, sondern nur die Richtigkeit eines Princips zur
Anschauung gebracht worden, welches in anderer Bearbeitung dem
Brückenbau noch ganz nützlich werden kann. Es ist dies das Princip,
den continuirlichen Balken in Theile zu zerlegen, die Einzelbalken
bilden und grösser oder kleiner sind als die Spannweiten, dabei aber
in ihren Verbindungsstellen keinen oder nur geringen Biegungswider
stand erzeugen. In dieser Weise wird man im Stande sein, die Biegungs
momente über den Pfeilern und in der Mitte der Oeffnungen gleich
gross herzustellen. Wegen mehrerer bis jetzt noch nicht angewandter
Eigenthümlichkeiten ist noch die vom Wasserbauinspector I olle con-
struirte Norderneyer Landungsbrücke zu erwähnen, welche von der
preussischen Staatsbauverwaltung in Modell und Zeichnungen ausgestellt
worden ist. Sie hat 16 Oeffnungen ä 17'5m Spannweite, und ist auf
' Schraubenpfählen so beweglich hergestellt, dass sie während des Eis
ganges sammt ihren Jochen abgetragen und später leicht wieder auf
gerichtet werden kann. Die letzte Oeffnung ist durch ein Bogenfachwerk
überspannt, das auf dem Landungsponton nach der Längen- und Quer
achse beweglich aufgelegt ist, so dass dem Ponton einiges Spiel ge
stattet ist.
ß. Eiserne Bogenbrücken. Unter den Bogenbrücken nimmt
die in Pest über die Donau an der Margarethen-Insel neu zu erbauende
schmiedeiserne Brücke den ersten Rang ein. Dieselbe wird auf Grund
einer Concurrenz von der Socie t e d es eonstructionsdesBatign olles
(Ern. Gouin, Paris) erbaut und ist in einem sehr schön gearbeiteten
Modelle ausgestellt. Sie hat sechs Oeffnungen, zwei a 87 m, zwei ä 81 m
und zwei a 73 m Spannweite. Der mittelste Pfeiler ist grösser und
mit der Spitze der Margarethen-Insel in Verbindung gesetzt. Die sechs
kastenförmigen Bogenrippen jeder Oeffüung haben bei 1 m Höhe im
Scheitel und 15 m an den Kämpfern x /g bis 1 J i Pfeil, und sind durch
ein mit dem Fabrbahnträger zusammenhängendes Zwickelsystem ausge
steift. DerBerechnung ist eine Einzellast von 7 Tonnen pr.Rad und eine
gleichmässig vertheilte Belastung von 400Kgpr. qm bei 7 Kg pi. qmm
Faserspannung zu Grunde gelegt. Die Fahrbahn wird durch Buckel
platten in üblicher Weise unterstützt. Das Aeussere ist recht gefällig.
Eine ähnliche Construction mit Zwickelsystemen, aber mit drei
Charnieren in jedem Bogen ist die in Wien über den Wienfluss von
Köstlin & Battig erbaute Tegethof-Brücke. Sie hat Eine Oeff
nung von 35 m Spannweite bei 4 m Pfeil. Die Breite der Fahrbahn
ist 11-4 m, die der Fusswege je 3'8m. Die sechs eisernen Bogenrippen
sind aus vier Quadranteisen zusammengesetzt. Die Fahrbahn besteht
aus Pflaster auf Buckelplatten. Die von Schmick für die Ueberbrückung
des Mains in Frankfurt projectirte Bogenbrücke hat ein ähnliches
System und wurde ebenfalls als eine gute und gut aussehende Construc
tion bezeichnet.
24*