Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenhahnbau. 383
selhstthätigen Bremsen beim Seilbruch hinzugefügt werden. Bei der
Ofener Seilrampe basirt die Sicherheit beim Seilbruch allein auf die
ser Fangvorrichtung. Das gespannte Seil balancirt ein Gewicht an
einem Hebel. Beim Seilbruch wird dies Gewicht eine senkrechte Lage
annehmen, und starke gestützte excentrische Räder mit äusseren star
ken Balken in Berührung bringen. Durch die Abwärtsbewegung wer
den die Räderzähne in die Balken gepresst, und so diejenige Reibung
erzeugt, die die Feststellung des Wagens bewirkt. Aehnliche Fang
vorrichtungen werden bei Bergwerken in Fahrschächten mit Seilbetrieb
zur Auffangung des Korbes unter schwierigeren Verhältnissen zur An
wendung gebracht. Dort kann man indessen den Impuls zum Eingrei
fen der Radzähne nicht durch die auf ein Gewicht wirkende Schwer
kraft herbeiführen, da dieses Gewicht beim Fallen in gleicher Weise
beschleunigt wird, sondern es muss Federkraft zur Anwendung gebracht
werden.
Die Ofener Seilrampe, welche von Heinrich Wohlfahrt im
Modell ausgestellt ist, hat eine Neigung von 45° und eine Länge von
94'8m. Sie führt in der Achse der grossen Donau - Kettenbrücke,
welche Pest mit Ofen verbindet, auf den Schlossberg in Ofen, und ist
hauptsächlich für den Personentransport eingerichtet. Der Unterbau
bildet ein festes System von Quer- und Langschwellen. Die Brems
räder greifen in Balken, welche an jedes Geleise einfassende Seiten
mauern befestigt sind. Die ganze Bahn ist geradlinig und vollkommen
übersichtlich.
Die Wiener Seilrampe auf dem Kahlenberg ist von der Wiener
Union-Baugesellschaft zur Ausführung gebracht. Sie liegt etwa
eine Stunde weit von Wien entfernt, muss pr. Eisenbahn, Omnibus
oder Dampfschiff erst erreicht werden, und dient dem Vergnügungsver
kehr. Sie hat eine Länge von 700 m und ein durchschnittliches Ge
fälle von 1 :3 (imMaximo 1 : 2'3). EinUebelstand ist es, dass das Ge
fälle unten steiler ist als oben. Es ist dies zur Verminderung der Erd
arbeiten geschehen. Indessen geht dadurch die Uebersichtlichkeit ver
loren, man kann von unten nicht die obere Station, von oben nicht die
untere Station, sondern nur die Wasserfläche der Donau erblicken, ge
gen welche die Gleise verschwinden. Ausserdem ist es ein Uebelstand,
dass die starken Drahtseile von 50 mm Durchmesser gespannt über die
kleinen zwischen den Schienen liegenden Stützrollen gezogen werden,
daselbst Rillen eindrücken, und selbst durch die Biegung in so klei
nen Radien leiden. Die Schienen ruhen auf einem soliden hölzernen
Unterbau aus verbundenen Lang- und Querschwellen, der auf seine
ganze Länge ein festes System zu bilden scheint, welches besonderer
Vorrichtungen gegen das Hinabgleiten nicht bedarf.