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Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

410 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Tlion- u. Glaswaaren. 
Der Speckstein dient in neuerer Zeit als Zusatz zu Terracotten 
(von Schwarz in Nürnberg) und giebt ihnen bei seiner vom Feuer 
wenig alterirten Fettigkeit eine gewisse Milde und Glätte. Vor allem 
ist er aber zu Gasbrennern unentbehrlich. Dazu hatten ihn Lau- 
boeck & Hilpert in Wunsiedel, G. Mägdt in Erbendorf, Hoffmann 
& Stich, E. Schwemmer und J. v. Schwarz in Nürnberg verwandt. 
Mit Amianth (oder Asbest) hatte A. Alb onico in Sondrio die Aus 
stellung beschickt; sein jährlicher Absatz beträgt 80 Tonnen, er wird un 
mittelbar zu Dichtungen und Liderungen für Säureröhren und Pumpen 
oder zu Amianthgespinnsten zu gleichem Zweck verwendet, solche hat 
ten L. & V. Rigamonti in Rom und concurrirend damit J. v. Brun- 
faut in Wien Glaswolle ausgestellt. 
Wenn wir übergehen wollen zu den künstlichen Steinen, welche 
auf nassem Wege bereitet werden, so sind vor allem die Cemente in 
Betrachtung zu ziehen, deren Fabrikation einen so bedeutenden Auf 
schwung genommen hat. 
Wie gross der Aufschwung und die Leistungsfähigkeit der öster 
reichischen Fabriken geht, welche dies Product anfertigen, ist mehr 
noch als in den Ausstellungsräumen bei einem Gange durch die neuen 
Stadttheile Wiens zu erkennen. 
Aus Ziegel und Cement ist dort die grösste Anzahl, in Massen 
wirkung grossartiger, in Profilen und sonstigen Details geschmackvoller 
Paläste entstanden, welche zugleich Zeugniss von der Güte des ver 
wandten Materials ablegen. In dem Ausstellungspark sind wahre Bravour 
stücke aus Cement zur Anschauung gebracht. In dieser Weise konnten 
entferntere Länder natürlich nicht ooncurriren. Ueberhaupt haben alle 
Fabrikate ein qualitatives und ein quantitatives Interesse. Sie können 
an sich durch Stoff, Form und Decoration die Aufmerksamkeit erregen, 
zu technischen und künstlerischen Studien und Betrachtungen Gelegen- 
' heit geben und es ist diese Seite, welcher fast ausschliesslich bei den 
Ausstellungen Rechnung getragen wird, oder aber sie können auch 
andererseits durch die Menge ihrer Production, durch die Zahl der dabei 
beschäftigten Kräfte und der dadurch geförderten Unternehmungen 
ein hohes, volkswirthschaftliches, . statistisches Interesse gewinnen; ein 
Interesse, welches bei dem nur zufälligen Stückwerk , das zur Ausstel 
lung gelangt, nur in geringem Maasse Befriedigung findet. 
Einzelne Werke und Fabrikanten haben es zwar versucht, ihre 
Production plastisch, z. B. in Kohlen- oder Eisenwürfeln, oder graphisch 
darzustellen, allein sobald dies nicht allgemein und nach demselben 
Maassstabe geschieht, wird es keine Vergleichung zulassen und ziemlich 
nutzlos sein. Es trat namentlich bei der Durchmusterung der hy 
draulischen Cemente und den daraus gefertigten Producten hervor, 
eine wie unbedeutende Rolle die bedeutendsten Fabriken auf der Aus-
	        
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