Section I. Steinwaaren.
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Mühlsteine 1 ).
Im Ganzen hatten sich an der Ausstellung von Mühlsteinen nur
neun Länder betheiligt und zwar Belgien, Deutschland, Aegypten, Frank
reich, Italien, Oesterreich, Ungarn, Rumänien, Russland. Unter diesen
nahmen Deutschland, Frankreich, Oesterreich und Ungarn den ersten
Rang ein. Frankreich hat dieses seinen Steinhrüchen von Laferte sous
Jouarre, mithin seinem Rohmaterial zu verdanken, hei Deutschland ist
es weniger dem Rohmaterial, sondern demFleisse, der Energie und
der technischen Fertigkeit zuzuschreiben und bei Oesterreich und
Ungarn sind es eigenes Rohmaterial und sachverständige Fabrikation
zusammen.
In früheren Jahren, wo die Müllerei in Deutschland noch wenige
Fortschritte gemacht hatte und der Müller die Benutzung und die
Bearbeitung der aus Quarz zusammengesetzten Steine noch wenig oder
gar nicht verstand, spielte das einheimische Rohmaterial eine viel
grössere Rolle, als heute; man bediente sich der schlesischen, säch
sischen, Johnsdorfer und Thüringer Sandsteine, der rheinischen, haupt
sächlich Niedermendiger Basaltlavasteine und der Krawinkler Porphyr
steine; heutzutage nehmen die zusammengesetzten Quarzsteine den
ersten Rang ein und es mögen wohl 70 bis 80 Fabriken davon in
Deutschland existiren; dieselben beziehen diese Quarzstücke aus Frank
reich und setzen daraus die Steine hier zusammen.
Das grösste Lager dieses Süswasserquarzes befindet sich in dem
oben genannten Laferte sous Jouarre im Departement der Marne, dann
aber auch in der Dordogne; die Steine von Laferte sind aber meistens
von einer viel besseren Qualität, als die aus der Dordogne, sie kommen
als Findlinge vor und sind in Farbe, Porosität und Härte verschieden;
aus der Farbe pflegt man oft auf die Güte der Steine zu schliessen;
die bläulichweissen, besonders die von Bois de la barre sind gewöhnlich
die besten, daun folgen die hellgellben von den Franzosen oeü de
perdrix (Rebhühnerauge) genannten und dann kommen die röthlichen und
schliesslich die weisslichen Steine; ihre Güte besteht in ihrer Härte und in
ihren natürlichen Poren; durch ihre Härte leisten sie natürlich grossen
Widerstand , nutzen wenig ab und lassen dem Mehle seine natürliche
weisse Farbe, ohne diese durch die Farbe des Steines zu verändern
respective zu verdunkeln; durch ihre Poren und ihre kleinen Krystalle
geben sie dem Steine eine natürliche Schärfe, die das Korn zerschneidet
*) Berichterstatter über die Mühlsteine: Joif J. van den Wyngaert
in Berlin.