MAK

Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

Section I. Steinwaaren. 
415 
Mühlsteine 1 ). 
Im Ganzen hatten sich an der Ausstellung von Mühlsteinen nur 
neun Länder betheiligt und zwar Belgien, Deutschland, Aegypten, Frank 
reich, Italien, Oesterreich, Ungarn, Rumänien, Russland. Unter diesen 
nahmen Deutschland, Frankreich, Oesterreich und Ungarn den ersten 
Rang ein. Frankreich hat dieses seinen Steinhrüchen von Laferte sous 
Jouarre, mithin seinem Rohmaterial zu verdanken, hei Deutschland ist 
es weniger dem Rohmaterial, sondern demFleisse, der Energie und 
der technischen Fertigkeit zuzuschreiben und bei Oesterreich und 
Ungarn sind es eigenes Rohmaterial und sachverständige Fabrikation 
zusammen. 
In früheren Jahren, wo die Müllerei in Deutschland noch wenige 
Fortschritte gemacht hatte und der Müller die Benutzung und die 
Bearbeitung der aus Quarz zusammengesetzten Steine noch wenig oder 
gar nicht verstand, spielte das einheimische Rohmaterial eine viel 
grössere Rolle, als heute; man bediente sich der schlesischen, säch 
sischen, Johnsdorfer und Thüringer Sandsteine, der rheinischen, haupt 
sächlich Niedermendiger Basaltlavasteine und der Krawinkler Porphyr 
steine; heutzutage nehmen die zusammengesetzten Quarzsteine den 
ersten Rang ein und es mögen wohl 70 bis 80 Fabriken davon in 
Deutschland existiren; dieselben beziehen diese Quarzstücke aus Frank 
reich und setzen daraus die Steine hier zusammen. 
Das grösste Lager dieses Süswasserquarzes befindet sich in dem 
oben genannten Laferte sous Jouarre im Departement der Marne, dann 
aber auch in der Dordogne; die Steine von Laferte sind aber meistens 
von einer viel besseren Qualität, als die aus der Dordogne, sie kommen 
als Findlinge vor und sind in Farbe, Porosität und Härte verschieden; 
aus der Farbe pflegt man oft auf die Güte der Steine zu schliessen; 
die bläulichweissen, besonders die von Bois de la barre sind gewöhnlich 
die besten, daun folgen die hellgellben von den Franzosen oeü de 
perdrix (Rebhühnerauge) genannten und dann kommen die röthlichen und 
schliesslich die weisslichen Steine; ihre Güte besteht in ihrer Härte und in 
ihren natürlichen Poren; durch ihre Härte leisten sie natürlich grossen 
Widerstand , nutzen wenig ab und lassen dem Mehle seine natürliche 
weisse Farbe, ohne diese durch die Farbe des Steines zu verändern 
respective zu verdunkeln; durch ihre Poren und ihre kleinen Krystalle 
geben sie dem Steine eine natürliche Schärfe, die das Korn zerschneidet 
*) Berichterstatter über die Mühlsteine: Joif J. van den Wyngaert 
in Berlin.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.