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Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

416 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren. 
und vermahlt, diese Schärfe wird allerdings durch die von den Müllern 
mittelst Stahlpicke oder Diamant aufgesetzten Einschnitte vermehrt 
und aufgefrischt, muss aber stets am meisten selbst mitwirken. 
Bis vor ein paar Jahren war man noch nicht imStande im eigenen 
Lande irgend ein Material zu finden, welches im Stande sei, das fran- ^ 
zösische zu ersetzen. Im Jahre 1869 jedoch kam einer Namens 
Schröder, jetzt Firma F. Schröder & Gebr. Beutler in Havelberg, 
auf den glücklichen Gedanken, den in grossen Massen in der Ostsee 
sich vorfindenden Feuerstein dazu zu verwenden und wenn diese Firma 
bis heute auch noch grosse Schwierigkeiten hat, für ihre Steine einen 
grossen Absatz zu finden, so bin ich doch überzeugt, dass es ihr mit 
der Zeit gelingen wird. Alle neuen Sachen brauchen gewöhnlich viel Zeit, i 
um allgemeine Verwendung zu finden, nach den Mahlresultaten, denen 
ich selbst beigewohnt habe und die recht gut ausfielen, kann ich nur 
wünschen, dass sie recht bald im allgemeinen Gebrauch übergehen, 
damit wir auch hierin nicht mehr von fremden Ländern, besonders 
nicht mehr von Frankreich abhängig sind. Die Fundorte dieser Steine 
dehnen sich am Südstrande der Ostsee von Rügen bis zum Belt aus, 
sie sind augenscheinlich aus der Kreide ausgespült, und werden ge- \ 
fischt. In Lübeck werden sie in grossen Massen zu gleicher Zeit mit 
dem zu Dammsteinen verwandten Material herangebracht, fanden früher , 
keine Verwendung, jetzt aber eine vorzügliche Verwerthuug. Die 
Bestandtheile dieser leuersteine sind circa 70 Proc. Kieselsäure, circa 
20 Proc. Kreide, ferner Wasser und ein paar andere Mineralien, sie 
finden sich gleichfalls wie die Quarzstücke in verschiedenen Farben 
vor und werden die helleren zu Weizen- und die dunkleren zuRoggen- 
steinenmittelst Cementzusammengesetzt; ihre Härte ist grösser als wie 
die der Quaizstücke, ihre Porosität aber geringer und ist letzteres der 
Grund, warum derjenige Müller, der noch Alles von der natürli“ 
chen Schärfe des Steines erwartet und nicht gern viel mit der Picke 
schärft, sie noch nicht gern in Gebrauch nimmt. 
Wie bereits im Eingänge erwähnt, hat auch Ungarn sein eigenes 
Rohmaterial und zwar gleichfalls Süsswasserquarz wie Frankreich; seit 
einigen Jahren schon hat man angefangen denselben zur Mühlstein 
fabrikation zu verwenden, die geöffneten Brüche lieferten jedoch kein 
besonders gutes Material, die Porosität war zu ungleich und die Härte 
wechselte manchmal in ein und demselben Stücke so sehr, dass dieses 
für gute Mühlsteine nicht zu verwenden war. Es war mir daher um 
so angenehmer, dieses Mal in der Ausstellung solche vorzügliche aus 
ungarischem Süsswasserquarz zusammengesetzte Mühlsteine vorzufin 
den, dass der in unserer Jury als Experte fungirende französische Mühl 
steinfabrikant sowie das österreichische Jurymitglied sie unbedingt 
fiir aus der besten Masse von Laferte sous Jouarre zusammengesetzt 
erklärten und erst dann zu einer anderen Ueberzeugung gelangten, als
	        
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