Zweite Sectio n.
Tlionwaaren.
Keine Industrie ist so reich an Hilfsmitteln, kann so vielerlei Stoffe
in ihren Bereich ziehen, sie in so vielerlei Weise und zu so mannigfal
tigen Producten verarbeiten, keine kann so vielen künstlerischen Sinn,
und diesen so unmittelbar offenbaren als die Keramik. Je mehr wir
emgehen in alle Herstellungsarten, je mehr ihre chemischen, technischen
und künstlerischen Bedingungen uns bekannt werden, desto grösser
wird unsere Freude über gelöste Schwierigkeiten. sein, und nicht der
geringste Tkeil unseres Wohlgefallens an der Schönheit ihrer kunst
gewerblichen Erzeugnisse beruht auf dieser Kenntniss. Wenn schon
eine auf einer Holzfläche dargestellte Arabeske unser Gefallen erweckt,
so wird sich dies steigern, wenn wir, näher tretend, erkennen, wie die
Zeichnung nicht aufgemalt, sondern als Intarsie aus eingelegten
Hölzern entstanden ist. In viel höherem Maasse wird dies bei den
Thonarbeiten der Fall sein, wo die Schwierigkeiten sowohl wie die damit
gewonnene Gediegenheit und Dauerhaftigkeit eine weit grössere ist.
Die bewusste Schwierigkeit und die sichtliche Sorgfalt hat einen
grossen Antheil an unserem beifälligen ürtheil. Solche Schwierigkeiten
sind aber bei den weichen und doch so eigenwilligen Stoffen, die wir
der zerstörungssüchtigen Wirkung des Feuers aussetzen müssen, grösser
und zahlreicher als in irgend einer anderen Technik. Dabei wirkt auch
das einschmeichelnd auf unser Urtheil ein, wenn wir die fast unmittel
bare Hand des Künstlers zu erkennen glauben, und der erfindende
Künstler und der ausführende Arbeiter uns in eine Person zu ver
schmelzen scheinen; wenn wir durch oft nur kleine Nacharbeiten, wohl
angebrachte Drucke, Unterschneidungen und Schraffirungen erkennen,
was ein anderer Geist dabei gedacht, gewollt, und wie er versucht hat
sich uns verständlich zu machen. Dann werden kleine Ungenauigkeiten,
Unsymmetrien, zu Vorzügen in den Augen des Liebhabers, der darin