428 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren.
Die Greppin er Werke bei Bitterfeld versorgen Berlin mit treff
lichen gelben und fleischfarbenen Blendziegeln und ist ihre Leistungs
fähigkeit hierin sehr gross (über 8 Millionen in einem Jahr). Diecolos-
salen Architekturstücke, Säulen', Architrave sowie grosse Figuren zeigten
eine schwierige, tüchtig ausgeführte Arbeit. Auch eine Fontaine, ob
schon in Betreff der Erfindung minder zu loben, war vom technischen
Standpunkt eine wackere Arbeit.
Fr. Naumann in Plattendorf im Herzogthum Sachsen-Altenburg
hatte neben couranten Röhren und Schornsteinaufsätzen Anfänge
von gut gearbeiteten und gebrannten Terracotten airsgestellt. Die von
C. L. Thorschmidt & Co. in Dresden ausgestellten Terracotten, Posta
mente, Figuren, Vasen etc. zeigten bei fleissiger Arbeit zu viele Weich
heit der Masse, als dass man an ihre unbedingte Wetterbeständigkeit
glauben könnte. Die Terracotten von Fr. Schwarz in Nürnberg
hatten schöne Formen und zeichneten sich durch grosse — dem Speck
steinzusatz zugeschriebene — Zartheit aus. Bei grösserer Thätigkeit
dürfte diese Fabrik schönen Erfolgen entgegengehen.
Yon den österreichischen Fabriken zeichnet sich ausser der be
reits genannten WienerBerg-Zi egelfabrik die von V.Brause wetter
in Wagram durch ihre sehr reiche Auswahl stilvoller Terracotten aus,
aus denen man überall den classisch gebildeten Architekten, dessen
Namen sie trägt und der diese langbewährte Fabrik leitet, erkennt.
Sie hatte aus dem blassröthlichen Ziegelthon des Marchfelds eine hart
gebrannte Waare geliefert, von welcher viele Statuen und Vasen den
Ausstellungspark zierten, vor Allem aber eine schön erfundene und
modellirte Fontaine, aus grossen Stücken in mehreren Etagen aufgebaut,
Aufsehen erregte.— Hervorzuheben sind hier auch die von J.deCente
in Wien ausgestellten Büsten von bedeutender Grösse und bester Model-
lirung, während für kleinere Gegenstände, namentlich für die noch aus
der k. k. Porcellanfabrik herstammenden Formen von Statuetten
und Gruppen das Material sich zu roh erweist. In seinen grossen
Steingutvasen harmoniren Stoff, Stil und Decor aufs Beste zusammen.
Bei den feuerfesten künstlichem Steinen kommt es zuerst auf die
Feuerbeständigkeit des Materials und seines Bindemittels an. Reiner
Kiesel und reiner Thon, beide von Metalloxyden und alkalischen Bestand-
theilen frei, sind ihr erstes, ihr zweites Erforderniss aber eine gewisse
Porosität, um schlechte Wärmeleiter zu sein und um Temperaturdifferenzen
ohne zu springen, zu ertragen. Dann aber bleibt es immer misslich,
derartige Producte vom allgemeinen keramischen Standpunkt zu beur-
theilen, da sie ihre Prüfung und Bewährung erst durch eine andere,
namentlich die Metallindustrie erhalten können, weil erst die hierbei
frei werdenden Oxyde und alkalische Flugasche ihre Feuerfestigkeit
gefährdet, während sie vielleicht an und für sich, den höchsten Feuer-