436 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren.
scheu Standpunkt einnahmen , deren Ornamentirung aber es den eben
erwähnten gleich that, und deren Formen stets die classischen Kanopen
und Amphoren nachbildeten. Aufgedrehte und dann viereckig gedrückte
Wölbtöpfe erinnerten an die Holzarmnth und die flachen und Kuppeldächer
jenes Landes. Aegypten lieferte keine glasirte Waare. Diejenigen,
welche die Türkei ausgestellt hatte, lassen auf keine grösseren
Werkstätten sehliessen, sie schienen alle der kleinen Haustöpferei entnommen.
Auf den Inseln Kalei Sultanie (Ahmed), Tschankale (II assein
und Ahmed) in den Dardanellen und in Kutahia hat sich ein
traditionelles Geschirr für den Hausgebrauch erhalten, meist blaugrün
glasirt und mit Goldschaum kalt decorirt. Die hohen Auslaufschnäbel
und Henkel deuten auf eine Nachahmung ähnlicher Metallgefässe hin.
Diese hochhalsigen Kannen und Wasserpfeifen, die vier- und fünfmundigen
Blumenvasen, linsenförmige Gefässe mit seitlichem, trichterförmigem
Auslauf sind nicht ohne Charakter und Anmuth. Derartige bis
zur Fayence und Steingut hinaufreichende, dann aber desto schlechtere
Geschirre hatte Ni'chane in Brussa, das Gouvernement von Brussa
und Nichu in Kutahia ausgestellt.
Iftir gehen über zu den Thonfabrikaten, deren weisser Grund mit
einer durchsichtigen Glasur überzogen ist, und behalten für dieselben
den üblichen, wenn auch unpassenden Namen Steingut bei. Bekanntlich
erscheint diese Waare zuerst im Anfänge des 16. Jahrhunderts in
I rankreich in den jetzt unter dem Namen Henri deux so hoch geschätzten
Stücken, kam bald darauf wieder in Vergessenheit, bis sie zu Anfang
des 18. Jahrhunderts als Earthmware von Wedgwood in Angriff
genommen, seitdem unter allen möglichen Namen von den Engländern
vorzugsweise, dann von den Deutschen und wenig von den Franzosen
fabricirt worden ist.
Bei der Besprechung der Fabrikate sind wir, um Wiederholungen
zu vermeiden, gcnöthigt, die Fabriken bei dem Fabrikat anzuführen,
welches ihre Hauptthätigkeit in Anspruch nimmt und dabei zu erwähnen,
welche anderen Fabrikationszweige sie nebst jenen betreiben sowie
diese zugleich zu beleuchten.
Wir beginnen billig mit J. Wedgwood & Sons in Etruria, müssen
aber hier gleich unsere Ueberraschung aussprechen über das Bild
des gänzlichen Stillstandes, um nicht mehr zu sagen, welches die Ausstellung
dieser einst so berühmten Firma darbot. Ihre blauen Jasperwaaren
mit den feinen weissen Auflagen in jenen geradlinigen und
rechteckigen Formen, welche so wenig für keramische Werke passen,
und im Stil de l’empire von unseren Grosseltern bewundert wurden,
einige Leuchter, ein Schachbrett mit Figuren der Art, ein Dutzend
hübsche Teller in gelblicher cream colour von einem übergesiedelten
Franzosen Lessore flüchtig und geschmackvoll gemalt und zu den