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Section II. Thonwaaren.
wie auch Service in naturalistischen Formen von Blumen, Aepfeln, Bir
nen angefertigt, welche minder geschmackvoll waren. Hübscher waren
die Teller mit flach erhabenen, in den Gypsformen vorbereiteten Blu
men, welche sich bei der Bemalung von selbst contouriren und schatti-
ren. Die Engländer sind überhaupt darauf bedacht, bei ihren Decora-
tionen die Fabrikationsvortheile nicht ausser Acht zu lassen, und so
zu wählen, dass sie sich leicht ausführen lassen. Von W. T. Cop
land & Sons in Stocke-upon-Trent waren sehr gut modellirte Parian-
bisquitstatuetten und unter anderen auch Tassen ausgestellt, deren
Untertassen verlängert oval waren und Platz für etwas Gebäck boten.
Seine Majoliken waren zwar ohne Extravaganz aber in der ganzen Mache
ziemlich unbedeutend. J. Mortlock in London hatte einige Henri II.
imitirt und Brow Westhead Moore & Co. in Hanley hatte nament
lich die Specialität der Waschtischplatten, Ausgüsse, Spültrichter sich
zur Aufgabe gestellt, und hier in Form, Grösse, Aussehen und Solidität
grosse Vollkommenheit erreicht. Doch hatte er auch schlecht und prä-
tenciös inMajolica gemacht, derartiges in Kreidemanier aufgestellt und
den Weg betreten, auf dem man eine Manier bald ausser Cours setzen jjann.
Aus Spanien hatte Pickmann & Co. in Sevilla gutes, ganz nach
englischer Art fabricirtes weisses und schwarz, grün, blau bedrucktes
Steingut, auch einige Stücke nach maurischen Mustern ausgestellt.
Die Fabrica de Azulejos von Manuel di Soto y Tello in Sevilla
hatte zwar keine grösseren Azulejos, aber kleine, grün, schwarz, weiss
glasirte, verschieden gestaltete Mosaikplättchen zur Wiederherstellung
der Alhambra gebracht. — Coto in Valencia lieferte grössere, gut und
exact gearbeitete, glasirte Flurplatten, sowohl weisse als passend bemalte.
Holla in Valencia undLeevat in Reus hatten accurat geformte Mosaik-
steinchen von hartem, in der Masse gefärbtem Stoff, ganz ähnlich den
Tesseras Minthon’s, jedoch zu billigeren Preisen, von 4 bis 8 Gulden
pr. Quadratmeter, ausgestellt.
Wie in England die Porcellanfabrikation, so ist in Frankreich die
Steingutfabrikation verhältnissmässig unbedeutend; erst jetzt, wo man
sich auf die Fayence d’art geworfen hat, gewinnt sie an Umfang und
Interesse. Es sind namentlich die Majoliken und die Palissywaaren,
welche en vogue sind; an die weit weniger effectvollen Henry II. - Stücke
hat sich kein französischer Fabrikant gemacht. Doch muss hier bemerkt
werden, dass die modern französischen Majolicen keine Fayence sind,
auf deren roher Zinnglasur vor dem Brennen gleichsam al fresco gemalt
wurde, sondern theils weissmassiges Steingut, oder weiss engobirte
Töpferwaare, auf welche theils vor dem Glasiren, theils nach dem Gla-
siren mit Muffelbrand die Malerei ausgeführt ist.
Die einst bedeutendste Steingutfabrik Frankreichs, die von Utz-
schneider in Saargemünd, gehört seit dem letzten Kriege zu Deutsch-
s