Section II. Thonwaaren.
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rissen bewahrt. Nur architektonische fortlaufende oder wiederkehrende
Ornamente werden mit Puneturpapier vorgezeichnet. Der röthliche
Töpferthon wird, mit einer blauen Glasur überzogen, schwarz. Blumen
sind oft etwas erhaben mit weisser ßegussmasse untermalt, welche, da
sie kalkhaltig ist, die rothen und gelben Farben sehr entwickelt. Ein
Plateau von 60 cm Durchmesser, auf welchem ein Papagei von Fräul.
Escallier, einer ausgezeichneten, auch in der Gemäldeausstellung
bewunderten Blumenmalerin, gemalt ist, kostet 1000 Francs, eine eben
so grosse, von Anker gemalte Platte mit einer Aegyptierin, kostet
5000 Francs.
In ähnlicher Art hatte auch F. Lanrin in Bourg la Reine Majolica-
schüsseln und Vasen, weniger correct als effectvoll mit genial hingewor
fenen leichten Blumenbouquets, malen lassen, eine Platte mit dem
Triumph der Galathea 150 Gulden, eine 1'20 m hohe, schlichte, beutel
förmige Vase ohne Henkel aus braunem Töpferthon, ganz schwarz en-
gobirt, aber mit einem reichen leichten Bouquet bemalt, kostet 500 Francs.
E. Rousseau in Paris fabricirt nicht selbst, sondern lässt nach seinen
Zeichnungen glatte Waare in Monterau für die Ateliers seiner Maler
arbeiten. Er hatte hübsche, gelblich abgetonte Teller mit leicht darauf hin
geworfenen und mit Grazie gemalten Blumen und Blättern, ä Stück
20 Francs, ausgestellt. Mag man es ästhetisch nicht gerechtfertigt fin
den, auf einem Teller, der mit Brühe begossen wird, Blumen und Figu
ren darzustellen, der Fabrikant und der Käufer haben noch andere
Rücksichten zu nehmen, noch andere Absichten im Ange; wenn das
Tellergemälde zweien stummen Tisehnachbaren die Zunge löst, so werden
Hausherr und Gast mit der Waare zufrieden sein.
Sonpireau & Fournier in Paris und J. Aubry in Belle vue bei
Toul copiren alte französische Majoliken ohne Auswahl. A. Barbizet
in Paris vertritt am ausgezeichnetsten und massenhaftesten die Imi
tationen nach Bernard de Palissy; man muss sagen, mehr charak
teristisch als schön, wenn man die beiden halblebensgrossen Figuren,
Mann und Weib, aus der Revolutionszeit mit ihrer geschmacklos blau,
grün, gelben Bemalung sieht — auf den Liebhaber berechnet, der mit
einem ausserordentlichen Unicum den Neid der Sammler erwecken will —,
800 Francs das Paar. Eine Schüssel mit Schlangen und Krebsen 70
Francs. — Auch Th. Sergeant in Paris macht dergleichen Objets d’art-
Schüsseln, welche ein grosser schwarz-blau-gelber Krebs ausfüllt, bei
dem weniger die Kunst oder vielmehr die Schwierigkeit der Anferti
gung, als^lie der Verpackung und Versendung des Meisterstücks mit
den langen dünnen Fühlhörnern unzerbrochen in die Hände des
Curiositätensammlers zu bringen, zu bewundern ist, auch hat es weiter
keinen Zweck.
Wahrhaft wohlthuend nach diesen Ungeheuerlichkeiten ist es, die
Ausstellung von E. Collinotin Paris zu betrachten. Derselbe arbei-