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Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

442 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren. 
tet nur im persischen Stil, echte Fayence; Wandtafeln und Vasen von 
bewundernswerther Grösse (l'ÖO m hoch), Platten, Schüsseln, Kannen 
in reichsten persischen Mustern, in harmonischen Farben, unter welchen 
ein lichtes Blaugrün vorwaltet. Seine Fabrikationsweise ist eine eigen- 
thümliche und interessante. Auf den nicht sehr harten weissen Stein- 
gutbiscuit werden mit einem aus erdigen Stoffen, Eisen- und Kupfer 
oxyd bereiteten Stift nach Vorlagen und Schablonen Umrisse gezeichnet, 
besonders persische Blumen, Nelken, Jasmin, einfache Bosen mit schma 
len Blättchen und langen Stielen. Dann wird sowohl der Grund weiss 
oder blaugrün, als die Sujets mit undurchsichtigen Glasurfarben gemalt 
und gebrannt. Hier tritt nun die Wirkung der trocknen Stiftzeichnung 
ein, indem sie die Glasurfarben, wie Staub das Wasser, abstösst und 
nicht über sieh hinlaufen lässt, also ähnlich der chinesischen Metall- 
cloisonage die Farben hindert in einander zu fliessen. Die schwarzen 
Contouren erscheinen daher zugleich-als Vertiefung und geben der 
Waare etwas Körniges und Gediegenes. Die Collinot’sche Fabrik ist 
aber auch durch die Art wie sie betrieben wird und von der nicht nur 
der Besitzer, sondern auch die Pariser Collegen der Jury anerkennende 
Mittheilung machten, interessant. Die Arbeit währt 10 Stunden, die 
jungen Leute, welche die Malerei auszuführen haben, müssen 4 Classen, 
ä 1, 2, 3, 3'50 Francs, durchlaufen. Jeder hat zwei Stunden darauf 
zu verwenden, einen jüngeren so zu unterweisen, bis dieser es ihm 
gleichthut, er selbst wird ebenfalls während zwei Stunden von einem 
höheren unterwiesen, bis er diesem und bis sein Schüler ihm gleich 
ist. Dann rückt er in eine höhere Classe mit feinerer Arbeit und 
höherem Lohne. Sechs Stunden sind für die eigentliche Arbeit bestimmt. 
Es soll durch diese Einrichtung ein sehr betriebsames, wetteiferndes 
und doch sehr einträchtiges patriarchalisches Verhältniss unter den 
Arbeitern und mit dem Fabrikherrn bestehen. Derselbe ist von Blies- 
castel und hat lange mit Herrn von Beaumont in Persien gelebt. 
Unter seinen Vasen befanden sich auch solche mit eng- und mit weit 
maschiger Craquelage, welche manchmal die ganze, bei anderen nur 
die Hälfte des Stücks mit ihren Haarrissen überzog, und erkennen liess, 
dass Hr. Collinotdie chinesische Absurdität der Craquelage vermittelst 
ganzer oder theilweiser Engobage mit dieser oder jener Thoncomposition 
vollkommen beherrscht. 
Ein zweiter in demselben Stil arbeitender und durch langen Aufent 
halt im Orient mit demselben vertrauter Aussteller ist L. Parvilee 
in Paris; er fabricirt, wenn man das fabriciren nennen darf, in ähnli 
cher Weise wie Collinot, jedoch lässt er die Stücke nach seinen Zeich 
nungen bei einem Töpfer oder Fabrikanten machen und führt die Ma 
lerei, wie er behauptet, nur mit seinen beiden Söhnen, stets nach neuen 
Entwürfen aus. Es ist kein Kunstgewerbe, sondern eine Kunst, die 
er zu betreiben behauptet. Die Masse, die ihm als Unterlage dient,
	        
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