MAK

Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

Section II. Thonwaaren. 
445 
stens Fr. Slowak in Znaim (Majolioamaler E. Steckmeier), dessen 
Farben jedoch weggebramit waren, und wegen dergleichen Fabrikate 
zu Architekturzwecken hatten wir bereits zu erwähnen die Wiener 
berg-Zi egelf abr ik. Beider Producte haben weder die Vorzüge 
noch die Fehler der englischen, französischen und italienischen erreicht. 
Besser ist eine Nachahmung von Delfter und fränkischer Fayence mit 
blauem Decor der Fabrik von Fr. Slowak gelungen. 
Nur Schweden, nämlich die Fabrik von Rörstrand in Stockholm, 
hatte ausser weissem und mit einfacher aber geschmackvoller Decoration 
versehenem Steingut einige, und zwar sehr gute Majoliken eingesandt, 
welche bewiesen, wie man durch gute Zeichnung und Modellirung mit 
wenigen natürlichen Farben treffliche Wirkung erzielen kann. 
Desto reicher sind Deutschland und Oesterreich an grossen 
Steingutfabriken; wenn dieselben auch nicht wie in England fast 
ausschliesslich den Bedarf an Tafelservicen und Waschgarnituren decken, 
so nehmen sie doch qualitativ und quantitativ eine weit höhere Stufe 
ein als in Frankreich, wo das Porcellan herrscht. 
Wir müssen hier nochmals auf die grosse Fabrik von L. & C. 
Hardtmuth in Budweis (Werkführer Alex Heller), als Vertreterin 
des österreichischen Steinguts, einer gediegenen und couranten Waare, 
zurückkommen, und auch die Gebrüder Schütz in Olomouczan in Mäh 
ren als ausgezeichnet durch die reiche Farbenscala ihrer schön und glän 
zend engobirten Geschirre erwähnen. Die Fabrik von W. Zsolnay in 
Fünfkirchen ist durch ihr weiss emaillirtes mehrfarbig bemaltes Geschirr 
in Form und stilvollem Decor allen ungarischen Fachgenossen weit 
voraus. Ihre Ziergefässe von feinem gelblichen Biscuit sind geschmückt 
mit bemalten flachen Reliefs von Blumen und Blättern, die von dem 
Fuss aufwachsen, während der Hintergrund von blass gemalten Blättern 
und Halmen ohne Relief eingenommen wird, und einen trefflichen Effect 
macht. Die Waare war, so sorgfältig sie aussah, doch flott gemalt 
und sehr billig. 
In Deutschland sind zu nennen die Fabrik von Uechtritz 
& Faist in Schramberg; sie macht grosse Quantitäten von Ziffer 
blättern für die Schwarzwälder Uhrenindustrie und wäre nur zu wün 
schen , dass sie stil- und geschmackvollere Darstellungen für dieselben 
wählte, da sie in der Lage ist, einen grossen Einfluss auf den öffent 
lichen Geschmack auszuüben. Sie liefert auch Tafelgeschiri von 
weissem und bedrucktem Steingut und grünglasirten Geschirren und 
Körbchen. Es scheint, dass sie bei ersterem zu Ende des Brandes einen 
eigenen chemischen Process eintreten lässt, um das Eisenoxyd, das 
ihrem Biscuit einen röthlichen Schimmer giebt, in farbloses oder grün-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.