Section II. Thonwaaren.
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stens Fr. Slowak in Znaim (Majolioamaler E. Steckmeier), dessen
Farben jedoch weggebramit waren, und wegen dergleichen Fabrikate
zu Architekturzwecken hatten wir bereits zu erwähnen die Wiener
berg-Zi egelf abr ik. Beider Producte haben weder die Vorzüge
noch die Fehler der englischen, französischen und italienischen erreicht.
Besser ist eine Nachahmung von Delfter und fränkischer Fayence mit
blauem Decor der Fabrik von Fr. Slowak gelungen.
Nur Schweden, nämlich die Fabrik von Rörstrand in Stockholm,
hatte ausser weissem und mit einfacher aber geschmackvoller Decoration
versehenem Steingut einige, und zwar sehr gute Majoliken eingesandt,
welche bewiesen, wie man durch gute Zeichnung und Modellirung mit
wenigen natürlichen Farben treffliche Wirkung erzielen kann.
Desto reicher sind Deutschland und Oesterreich an grossen
Steingutfabriken; wenn dieselben auch nicht wie in England fast
ausschliesslich den Bedarf an Tafelservicen und Waschgarnituren decken,
so nehmen sie doch qualitativ und quantitativ eine weit höhere Stufe
ein als in Frankreich, wo das Porcellan herrscht.
Wir müssen hier nochmals auf die grosse Fabrik von L. & C.
Hardtmuth in Budweis (Werkführer Alex Heller), als Vertreterin
des österreichischen Steinguts, einer gediegenen und couranten Waare,
zurückkommen, und auch die Gebrüder Schütz in Olomouczan in Mäh
ren als ausgezeichnet durch die reiche Farbenscala ihrer schön und glän
zend engobirten Geschirre erwähnen. Die Fabrik von W. Zsolnay in
Fünfkirchen ist durch ihr weiss emaillirtes mehrfarbig bemaltes Geschirr
in Form und stilvollem Decor allen ungarischen Fachgenossen weit
voraus. Ihre Ziergefässe von feinem gelblichen Biscuit sind geschmückt
mit bemalten flachen Reliefs von Blumen und Blättern, die von dem
Fuss aufwachsen, während der Hintergrund von blass gemalten Blättern
und Halmen ohne Relief eingenommen wird, und einen trefflichen Effect
macht. Die Waare war, so sorgfältig sie aussah, doch flott gemalt
und sehr billig.
In Deutschland sind zu nennen die Fabrik von Uechtritz
& Faist in Schramberg; sie macht grosse Quantitäten von Ziffer
blättern für die Schwarzwälder Uhrenindustrie und wäre nur zu wün
schen , dass sie stil- und geschmackvollere Darstellungen für dieselben
wählte, da sie in der Lage ist, einen grossen Einfluss auf den öffent
lichen Geschmack auszuüben. Sie liefert auch Tafelgeschiri von
weissem und bedrucktem Steingut und grünglasirten Geschirren und
Körbchen. Es scheint, dass sie bei ersterem zu Ende des Brandes einen
eigenen chemischen Process eintreten lässt, um das Eisenoxyd, das
ihrem Biscuit einen röthlichen Schimmer giebt, in farbloses oder grün-