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Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

446 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren. 
liches Oxydul zu verwandeln, indem sie den Ofen einqualmen und diese 
Kohlenstoffentwickelung noch durch Theerzusatz zu den Kohlen ver 
mehren. Gutgearbeitetes Steingut liefern die Fürst 1. Isenburg Wach- 
tersbach’sche Fabrik in Schlierbach sowie die von Damm bei 
Aschaffenburg, welche sich durch die Massenproduction von Türken 
bechern, henkellosen Kaffeetässchen für den Orient, und durch die rein 
liche Benutzung der Formen der alten berühmten Höchster Fabrik zur 
Reproduktion von deren trefflichen Figuren und Gruppen auszeichnet. 
Die Fabrik von F. A. Mehlem in Bonn fertigt besonders Wasch 
garnituren und Vasen in grosser Zahl und Auswahl, ihre gefälligen Ma 
lereien sind zweckmässig in Contouren vorgedruckt, was ihren Preis, 
nicht aber ihre Schönheit vermindert. Ein Paar grosse Vasen waren 
von besonders schöner Form und Modellirung. Von Villeroy &Böch 
in Dresden (der Werkführer der Müssenbereitung Apitz, der Mo 
delleur. Jacobs, der Werkführer Lessei, der Chefmodelleur N. 
Schweizer, der Vorsteher der Malerei Zimmer und der Chemiker 
A. Oeskner, welcher für sämmtliche Fabriken von Villeroy & Boch 
die Farben bereitet) waren ausser den später zu erwähnenden Oefen 
namentlich grössere Steingutartikel für den Hausgebrauch, Wasch 
garnituren, Ausgüsse in gediegener und schöner, leicht und geschmack 
voll deeorirter Waare ausgestellt. 
Die Fabrik von Villeroy & Boch in Mettlach (Chefmodelleur 
Peter Weissmüller, vorzugsweise für Tafel- und Waschservice, Aug. 
Kunz, Zeichner und Maler von Form- und Decorationsentwürfen, 
J. Kiefer, desgleichen für Architekturen, terra cotta und Mosaik, Chr. 
Warth, Modelleur der Chromolithwaaren und Zeichner von Entwürfen 
für dieselben, J. Zens, Zeichner und Vorsteher der Decorationswerk- 
stätte, Spengler, Maschinenmeister, J. Jacobs, Erfinder des Pyro 
meters). Wir haben diese Fabrik schon oben bei den Terracotten ge 
nannt und müssen ihrer später bei den Steinmassen und Mosaikplatten 
nochmals erwähnen. Sie nimmt auch als Steingutfabrik, als welche sie 
1810 in Mettlach an der Saar gegründet wurde, wegen ihrer Aus 
dehnung wie wegen der Gediegenheit und Schönheit ihrer Fabrikate 
die erste Stelle unter den Fabriken des Continents ein. Unermüdlich 
in der Vervollkommnung ihres Stammfabrikats wie in der Auffindung 
neuer Fabrikationszweige und Decorationsmethoden, muss den Leitern 
dieser Fabrik die erste Anerkennung ausgesprochen werden. Ihre 
Steingutmasse ist hart durch Feldspath gefrittet, die Glasur hart und 
glänzend, die Formen sind praktisch und edel, die Decoration ist in 
allen Farben theils durch Kupferabdrücke unter Glasur, theils durch 
polychrome Lithographie auf Glasur und durch Malen, Vergolden und 
Platiniren bewirkt. Tafel- und Theeservice sowie Waschtischgarnituren 
sind eben so elegant geformt und decorirt wie die Ziergefässe dieses 
F abrikationszweiges.
	        
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