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Volltext: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

Section II. Thomvaaren. 
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thümlichen Schmuck vieler sogenannter Wiener Artikel abgeben. 
Das Handlungsbaus A. Denk Wittwe in Wien fährt fort die schönen 
Formen der aufgehobenen k. k. Pofcellanfabrik, in deren Besitz sie 
ist, auszuführen und durch die Wiener Porcellanmaler geschmackvoll 
decoriren zu lassen. 
Der künstlerische Theil der deutschen Porcellanfabrikation ist 
durch die beiden königl. Fabriken in Berlin und Meissen würdig ver 
treten. Die Königl. Preussische Pore ellanmanufactur in Berlin 
| (Obermaler H. Looschen und Modellmeister J. M a nt el) macht ein so 
lides glänzendes, aber nicht zu dem weissesten gehörendes Porcellan; 
in ihrer Modellirung und Decorirung huldigt sie keiner augenblick 
lichen Mode, sondern hält sich an dem, was ewig schön bleibt, sie ist 
dadurch vor grösseren Fehlern gesichert, abei" auch gehindert, dass ihr 
so, wie manchem französischen Fabrikanten, ein kühner, die Mode plötz 
lich mit sich reissender Wurf gelingt. Man wirft ihr vor, dass sie zu 
classisch arbeite, und ihr das leichte Genre fehle. Ihre edel geform 
ten und reich bemalten Vasen, ihre Tischplatten und Bildet 1 , ihre klei 
neren Luxusgegenstände, Biscuitbüsten und Figuren, ihre architektoni 
schen Gegenstände entsprechen in durchgeführter stilgerechter Model 
lirung und Malerei den höchsten Anforderungen, und können 
jeder ernsten Kritik Rede stehen. Allein ihre Modellirung ist 
yon einer allzustreng geschulten Phantasie entworfen, ihre Ma 
lerei beschränkt sich fast nur auf Oopien bekannter Gemälde, ein 
selbstständiges Schaffen, ein freies Erfinden, ein individuelles Künstler 
thum hat sich aus dem altgewohnten Band der Disciplin noch nicht 
herausgebildet. In technischer Beziehung hat die Fabrik, seit Kur 
zem von Berlin nach Charlottenburg verlegt, hier zugleich alle Ver 
besserungen der Neuzeit gewonnen und namentlich durch den von ihrem 
Director Möller und dem IngenieurMentheim erfundenen Gasbrennofen 
mit continuirlichem Feuer einen grossen, allen deutschen Fabriken vor 
leuchtenden Fortschritt gemacht. Bei dessen stetigem und sicher zu leiten 
dem Brande wird die Waare sehr egal, Verziehungen und Backrisse 
sind selbst bei grossen Stücken selten, und die Ersparnisse auch an 
Brennmaterial und Kapseln bedeutend. Die Königl. Sächsische 
Porcellanmanufactur in Meissen (Gestaltungsvorsteher Leuteritz 
und Malereivorsteher Müller) hält sich mit Strenge an das ihr eigen- i 
thümliche Genre mit seinem gesicherten Succes d’estime. Die reiche 
Sammlung feiner Theeservice, kleiner Gruppen in der ganzen Zierlich 
keit und Ziererei des vorigen Jahrhunderts modellirt und gemalt, mit 
coquetten Gesichtchen und allen minutiösen Details des Costümes, Va 
sen mit der dieser Fabrik eigenen Virtuosität üppig voller und sorg 
fältig nachgemachter Blumen in reichster Farbenpracht, sind wohl 
dazu angetkan, ihr den Ruhm und ihre Abnehmer zu erhalten, welche
	        
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