4f>0 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren.
gewachsenen und vertrauten Bevölkerung, dem alljährlich sich erleich
ternden Bezug von Brennmaterial und vielseitig ausgedehnten Handels
beziehungen , welche auch einer erweiterten auf massenhaftere und
grössere Stücke gerichteten Production die Thüren offen halten. An
fänge hierzu, aber auch nur diese, sind in guter Waare in denWasser-
leitungs- und Kaminröhren sowie in den chemischen Gefässen zu er
kennen, welche von Gehr. K n ödgen in Baumbach, Gerz & Söhne und
J. Thewald in Höhr in Haushaltungsgeschirren gemacht wurden, und
steht es bei dem rüstigen Fortschreiten zu hoffen, dass die rheinischen
Städte zu ihren Canalisationen nicht, wie Frankfurt, sich englischen
Materials werden bedienen müssen. Erfreulich ist es, dass auf demsel
ben Boden einer alten Kunstindustrie, der durch eine Gebrauchsindu
strie gewissermaassen fort und fort warm erhalten worden ist, sich
auch jene wieder regt, und schon ganz Erfreuliches aufzustellen ver
mocht hat. F. W. Merkelbach II. in Grenzhausen hatte graue, mit
Kobaltblau decorirte Renaissancekrüge ausgestellt, welche, so weit sie
sich in Form und Decor genau an die alten Muster halten, sehr lobens-
werth waren, und kann es selbst vom Standpunkt einer verständigen,
fabriksmässigen Vervielfältigung nicht getadelt werden, dass um, z. B.
auch ohne im freien Handzeichnen geübte Arbeiter, stilgerechte Thier-
und Pflanzenornamente auf die Stücke zu bringen, man deren Umrisse
in die Formen eingeritzt, also auf den Stücken erhaben dargestellt
hat; es ist nicht zu tadeln, wenn es nicht dahin führt, an Stelle der
auf- und abgedrehten Waare geformte treten zu lassen, und die alte
Sgraffitomanier und den Zeichenunterricht, der sie ermöglicht und
weiter befruchten wird, als ob unnöthig liegen zu lassen. Es wird
überhaupt Vorsicht zu beobachten sein, nicht zu früh von alten Origi
nalen abzuweichen, ehe deren Stil und Werkweise in Fleisch und Blut
der Arbeiter und Mitarbeiter übergegangen ist. Im Stil und be
sonders in der Werk weise, in den aus freier Hand eingeritzten Con-
touren, welche die blaue und lila Malerei scharf umgrenzen, in den
durch eigentümliche, tremulirende Handhabung der Werkzeuge ent
stehenden Schraffirungen, in den eingedruckten scharfen Blumen und
Sternen, in den mit scharfen Metallformen aufgelegten Reliefs, die sich
durch keine Gypsformen erreichen lassen und durch keine Glasur oder
schlecht geleitete Salzung verschwemmt sein dürfen, liegt der Haupt
reiz dieser Waare, der wieder angestrebt werden muss. Auch wäre
das alte Braunsteinlila wieder auf die Palette zu bringen.
In einem anderen mittelalterlichen Stil, mit anderen Erden, mit
polychromatischer Malerei und anderem Brand hat A. Sältzer in
Eisenach recht schöne Krüge geliefert, wie er früher schon griechische
schwarz und braun bemalte Vasen in Handel gebracht hat. Eine wei
tere Ausdehnung der Fabrikation wäre zu wüuschen.