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Section III. Glasindustrie,
Contouren und die Ebene der Gypsfläcke nicht verliert, ohne sie sogleich
wieder durch Mosaiksteine zu ersetzen, er giebt diesen eine den Formen
und Stoffen, die sie darstellen sollen, angemessene Reihung, ebenso wie
der Kupferstecher nicht nur durch Licht und Schatten, sondern auch
durch die Krümmung und Lage, die er seinen Strichen giebt, die 1 ormen
hervorhebt; dabei ist der Mosaicist stets im Stand, sich von dem Effect
dessen, was er eben gemacht hat, zu überzeugen, was bei der Arbeit
von der Rückseite nicht möglich ist.
In ähnlicher Weise werden auch die feineren Mosaiken für Möbel
gemacht, nur mit dem Unterschied, dass der Künstler seine Mosaik-
steinchen nicht aus kuchenförmigen Pasten herausschlägt und schleift,
sondern dass er sie in langen Stäbchen neben sich liegen hat, welche
im Querschnitt ein abgerundetes Rechteck von etwa 1 ä 3 mm bilden.
Er verbraucht dieselben entweder, indem er Stücke abbricht, unmittel
bar; oder er giebt ihnen vor der Lampe einen anderen Querschnitt durch
Ausziehen oder Drücken mit der Zange. Auch ihm sind die Oberfläche
und die Contouren dadurch bestimmt, dass die Umrisse des Gegenstandes,
der z. B. eine Tischplatte zieren soll, bereits aus der Marmorplatte
ausgesägt sind. Durch den Querschnitt der Stäbchen und durch die
Lage, die er ihnen giebt, weiss der Mosaicist ebenso die Adern und
Zellen der Blumenblätter, als in landschaftlichen Darstellungen den
Baumschlag und das Mauergefüge wiederzugeben. Dergleichen Möbel
mosaiken werden selbstverständlich bis auf den Marmorgrund gesckliflen
und polirt. — Die Schmuckmosaiken werden ganz in derselben Weise
in eine Metallkapsel aus Glasstäbchen zusammengesetzt, nur dass der
Künstler bei ihrer Kleinheit sich zum Innehalten der Oberfläche und
der Zeichnung selbst keines anderen Hilfsmittels als seines Augenmaasses
und seiner Geschicklichkeit bedient.
Die Vaticanische Fabrik hatte prachtvolle Gemälde ausgestellt.
Zwei Papstköpfe für S. Paolofuori Je mure nach byzantinischer Art, dann
eine „Madonna della Seggiola“ (40 000 Frcs.), einen „Heiligen Petrus“
nach Guido Reni (18 000 Frcs.), eine „Madonna mit dem Kinde“ nach
Sasso ferato (20 000Frcs.) von meisterhafter Vollendung. Ebenso vor
trefflich waren zwei Tischplatten aus schwarzem Marmor, die eine mit
einem Blumenkranz (5000 Frcs.), die andere mit einem Blumenstrauss
(2000 Frcs.). — Ausser dieserKunstanstalt hatten auch die nachbenannten
noch schöne Werke ausgestellt: L. G alandi in Rom eine kleine „Madonna
della Seggiola“, eine Doppellandschaft, „Das alte und das neue Rom“
und das Forum; sowie L. Moglia in Rom eine schöne Copie des be
kannten Bildes der „Aurora“ von Guido Reni, Bilder, welche in tech
nischer Beziehung als sehr gut bezeichnet werden können.
In Möbelmosaik haben Tomasi & Gelsomini, L. Olivieri,
r. Bigaglia, alle in Venedig, und J. Bassano in Contente treffliche
musivische Tischplatten ausgestellt, und macht L. Radi in Murano die
Wiener Weltausstellung. II. 31