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Full text: Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren, Wiener Weltausstellung Heft 10

482 Gruppe IX. Industrie der Stein-, Thon- u. Glaswaaren. 
zu diesen Techniken nöthigen Pasten und Gläser. Pie-Genannten haben 
sämmtlich auch die für Schruuckgegenstände. angewendeten feinen 
Mosaiken angefertigt. Hierbei ist zu bemerken, dass diese Gegenstände 
meist von denselben Arbeitern, welche Filigran anfertigen, gemacht 
werden, und dass man dieselben jetzt meist nach byzantinischer Art, 
d.h. nicht geschliffen und polirt, ausführt, doch ist dies mehr eine Sache 
der Mode. Ornamente wie Sternchen, Blümchen und dergleichen werden 
dabei nicht aus einzelnen Stäbchen zusammengesetzt, sondern sind schon 
im Vorrath in Millefioristäbehen angefertigt und werden zu jeder be 
liebigen Kleinheit und Feinheit ausgezogen. Auch ist es beliebt, manche 
grössere, besonders goldglänzende Flächen, wie die Flügel von Scarabäen, 
aus einem Stück zu machen, in welchem dann mit grünem oder rothem 
Glas überfangenes Gold besonders effectvoll ist. 
Es wird hier der Ort sein, auch noch einige Namen zu erwähnen, 
welche in florentinischer Mosaik, in pietra dura, sich durch gute 
Leistungen hervorgethan haben. .Es sind vor allen P. Bazzanti 
& Sohn und G. Torrini, beide in Florenz, welche Tischplatten in 
schwarzem Marmor mit 'eingelegten Blumen, Früchten und Vögeln mit 
grosser Sorgfalt und trefflicher Farbenzusammenstellung geliefert hatten; 
dann ferner A. Civita, F. Betti, T. Francolini, L. Orlandini, 
sowie endlich J. Ugolini & A. Mezzanti, A. Montelatici & 
Bruder und J. Scappini, sämmtlich in Florenz. Hier ist auch der 
Geognost Cavaliere Cocchi in Florenz zu nennen, der sich um die 
Auffindung von den für pietra-dura-Arbeiten geeigneten Steinarten ein 
Verdienst erworben hat. 
Perlen. Man kann sagen, dass mit der Anfertigung der Perlen 
die Glasmacherkunst begonnen hat, sie sind die am höchsten ins Alter 
thum hinaufreichenden Gläser. Ihre Anfertigung geschieht auf zwei 
Arten, dadurch,, dass man mehr oder weniger dicke Glasfäden auf einen 
Draht wickelt und nach dem Erkalten abstreift, oder dass man Glas 
röhren auszieht und dann entweder in kurze Stücke schneidet und 
durch eine schwache Schmelzung rundet oder zu Hohlperlen aufbläst 
., und abtrennt. Auch die aus Röhrchen gebildeten Perlen werden durch 
Ueberwickeln, durch Tupfen und eine Menge anderer kleiner Kunst 
griffe weiter verziert. Die gewickelten Perlen werden vorzüglich in 
Venedig an der Lampe (ä lume) gemacht, meist für den Export und 
Tauschhandel. Eine schöne Collection hatten J. Bassano in Contene, 
die Gesellschaft für Glasfabrikation in Venedig, Tomasi 
& Gelsomini in Venedig, C.Stiffoni und G.Zechini & A.Ceresa 
in Venedig und L. Rodi in Murano ausgestellt, darunter auch solche 
mit Seidenglanz, welcher bekanntlich von mikroskopischen lang gezo 
genen Luftbläschen herrührt, in allen Farben. Von deutschen Perlen 
fabriken sind vorzüglich die von Bettmann & Kupfer und Gebr.
	        
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