492 Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente.
bon documentirt, und selbst Brasilien ist mit ersten und schon des
halb anerkennungswerthen Versuchen aufgetreten.
Nächst den der Wissenschaft wie der Technik dienenden Instru
menten nahm der physikalische zur Ausstellung gebrachte Apparat die
breitere Stelle ein. Er dient bekanntlich einerseits zur Demonstration
im Unterricht und andererseits zur Forschung und zu den Arbeiten in
den Laboratorien. In beiden Richtungen sind selbst in dem kurzen
Zeitraum von sechs Jahren, die seit der Pariser Ausstellung verflossen
sind, entschiedene Fortschritte und Entwickelungen nanjhaft zu machen.
Die Bedeutung, welche in dem naturwissenschaftlichen Unterricht das
Experiment besitzt, ist Grund genug, auf stetige Vervollkommnung der
Instrumente für sogenannte .Vorlesungsversuche Bedacht zu nehmen,
und das Bemühen, Vorgänge, die wegen der räumlichen Kleinheit, in
der sie verlaufen, nur von Wenigen und Nahestehenden beobachtet wer
den können, für grössere Kreise objectiv zur Darstellung zu bringen,
hat zur Erfindung mancher sinnreich construirten Vergrösserungs- und
Projectionsapparate geführt. Durch die populären Vorlesungen, die
meist mehr die Demonstration als die Lehre im Auge haben, die
aber in ihrer Weise zur Ausbreitung der Kenntniss der durch die For
schung gewonnenen Resultate beitragen, hat die Herstellung der Demon
strationsapparate eine weitere Bedeutung erhalten, sie ist zu einem
besonderen Industriezweige herangewachsen.
Für den Fortschritt in der Forschung ist begreiflich die Vervoll
kommnung der Instrumente, die in den Laboratorien in Anwendung
kommen, von grösserer Bedeutung. Die Verbesserungen in der Con-
struction und Ausführung der zum allgemeinen Gebrauche dienenden
Messwerkzeuge, der Wagen, der Comparatoren, der Kathetometer und
anderen, die Erweiterung und Bereicherung des elektrischen und galva
nischen, des thermischen, optischen und akustischen Messapparates und
dann wieder die Constructionen, nach welchen die Apparate graphisch
functioniren, bilden wesentlich die Bedingungen des Erfolges in den
Experimentaluntersuchungen. In all den genannten Richtungen war
die Wiener Ausstellung ebenso reich, wenn nicht reicher, als die Pariser
ausgestattet. Die Entwickelung dieses Zweiges der Industrie ist selbst
verständlich durch das Zusammenwirken von Forschern und Künstlern
bedingt. Der Forscher giebt die ihm dienlichen Constructionen an,
der Künstler erfindet die zur Ausführung erforderlichen Hilfsmittelund
leitet die Ausführung. Von dieser Seite hat es ein Interesse üuch auf
die Wohnorte der Aussteller die Aufmerksamkeit zu richten. Die öster
reichischen Aussteller waren in weit überwiegender Zahl Wiener Me
chaniker. Prag, Innsbruck, Graz waren, wenn auch in Einzelheiten
ausgezeichnet, eben doch nur in Einzelheiten vertreten. Von Frank
reich hatte beinahe ausschliesslich nur Paris ausgestellt. Dagegen
kennzeichneten sich das Deutsche Reich und die Schweiz durch eine