Section I. Mathematische Instrumente etc. 493
grosse Mannigfaltigkeit der Erzeugungsörter. Man kann nahezu sagen :
so viele Universitäten und polytechnische Schulen, eben so viele meist
ausgezeichnete Werkstätten für physikalische und chemische Instrumente.
Berlin, München, Dresden, Cassel, aber auch Giessen, Bonn,
Heidelberg, Erlangen, Göttingen, Marburg, und daneben grössere und
kleinere Städte, Hamburg, Nürnberg, Rathenow, Kempten, Fürth und
andere, und in der Schweiz Genf, Bern, Zürich, Aarau, Schaffhausen
geben hierzu den Beleg. Man wird dies als einen Erfolg der grösseren
Anzahl der Bildungscentra, der Lehr- und Schulanstalten, zu
betrachten haben.
Endlich ist noch die lange Reihe von Instrumenten zu erwähnen,
die zwar nicht zu wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern lediglich
zum praktischen Gebrauche im täglichen Leben dienen, die aber nach
ihrer Construction ganz mit Recht der Abtheilung der wissenschaftlichen
Instrumente beigefügt waren. In jedem Zweige der Physik lassen sich
Instrumente dieser Art namhaft machen. So schliessen sich an die
analytischen Wagen des Chemikers und Physikers die Wagen mit
minderer Empfindlichkeit und in all den Abänderungen an, wie der
Gebrauch im Verkehr es wünschenswerth erscheinen lässt, als Decimalwage,
Zeigerwage etc. An Comparator und Normalmaassstab reihen
sich die Maassstäbe an, deren sich die Gewerbetreibenden bedienen; an
die Normalbarometer die Aneroide und Wettergläser, die in einer Ausdehnung
gebraucht werden, dass sie bald als Zimmergeräthe bezeichnet
werden können; an die Luft- und Normalthermometer die thermischen
Messapparate bis zum Badethermometer herab; an die dioptrischen
Instrumente die Brillen, das Theaterperspectiv u. s. w. Bei all diesen
Instrumenten ist nebst der Sorgfalt, mit der sie ausgeführt sind, der
Preis, zu dem sie hergestellt werden können, von grösserem Belang.
Der Fortschritt, der erzielt wurde, ist sogar bei gleicher sonstiger Leistung
geradezu nach dem Herstellungspreise zu bemessen. Die Constructionen
sind da und sind allbekannt, an diesen ist nichts zu
ändern, um so entscheidender werden die Verbesserungen in den Fabrikationsmethoden.
Vor kaum mehr als 25 Jahren beherrschte Frankreich
in vielen der genannten Artikel den Markt. Die Wiener Ausstellung
Hess erkennen, dass das Deutsche Reich, die Schweiz und
Oesterreich sich vollständig emancipirt haben. Die Pariser Industrie
war in diesem Zweige der Ausstellung reich und sogar glänzend vertreten,
aber doch sieht es nicht darnach aus, als ob sie in Deutschland
den Boden wieder gewinnen könne, den sie vor dem Kriege inne hatte.