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Section I. Mathematische Instrumente etc.
mit der Länge des Waagebalkens zu und nimmt ab, wie das Gewicht
des Wagebalkens zunimmt. Es kann daher eine Wage mit kurzem
Balken und kleinem Gewicht dieselbe Empfindlichkeit wie eine Wage
mit langem Balken und grösserem Gewicht besitzen. Wagen mit kur
zem Balken haben aber der kleineren Trägheitsmomente halber eine
kürzere Schwingungsdauer, sie stellen sich rascher ein und kürzen die
Zeit der Wägungsarheit bedeutend ab. Man muss aber beachten, dass
diese Abkürzung nur auf Kosten der Genauigkeit gewonnen wird.
Denn wenn die Empfindlichkeit auch dieselbe ist, so ist dies nicht in
Betreff der Richtigkeit der Fall. Jeder Fehler in den Prismenschneiden,
die die Drehungsachsen bilden, und jede Abweichung in der Parallelität
der Schneiden, die in mathematischer Genauigkeit doch nie zu erreichen
ist, tritt in dem Verhältniss, wie die Balken kürzer werden, störender
entgegen. In chemischen Untersuchungen ist in vielen Fällen eine
Genauigkeit der Gewichtsbestimmung bis auf 1 und 2 mg hin ausrei
chend. In diesen Fällen werden gerade die Wagen mit kurzen Hebel
armen die rechten Dienste leisten. P. Bunge in Hamburg hat solche
kurzarmige und rasch sich einstellende Wagen in sehr schöner Aus
führung und Ausstattung zur Ausstellung gebracht. Er hat zuerst auf
diese Specialität Bedacht genommen und die Beliebtheit, die seine Wa
gen in den chemischen Laboratorien gewonnen haben, ist ein Beweis,
dass er einem praktischen Bedürfnisse entgegengekommen ist.
Endlich ist noch zu erwähnen, dass auch in Betreff des Materials
der Prismen ein neuer Versuch vorliegt. E. Andre in Cassel hat sehr
schön gearbeitete Wagen mit Prismen aus Achat ausgestellt. Jeden
falls haben dieselben den Vorzug, dass sie nicht wie der Stahl durch
Rost Noth leiden können. Ob sie im Uebrigen die Eigenschaften guter
Stahlschneiden besitzen, wäre von um so grösserem Interesse zu unter
suchen , als bekanntlich das Aussuchen der passenden Stahlsorten und
das Treffen des richtigen Härtegrades für den Mechaniker keine leichte
Sache ist, oder doch nur auf rein empirischem Wege gesucht wird.
In der Wagenausstellung zeigten sich alle Culturvölker, selbst Ja
pannichtausgeschlossen, vertreten. Von den Ausstellern des Deutschen
Reiches sind ausser Schickert, Bunge, Andre noch besonders hervor
zuheben die reiche Ausstellung ausgezeichnet ausgeführter Wagen von
C. M. Westphal in Celle und dann die rühmlichst bekannten Wagen
von C. Staudinger & Co. in Giessen. Hieran schliessen sich noch an die
feineren Wagen von Reimann& Mülle rin Berlin, von C. Bo rn har dt in
Braunschweig, von A. S a uter in Ehingen. Ueberhaupt sind in der Wagen
ausstellung Leistungen gemacht, die zum Vorzüglichsten zu rechnen sind,
was in dieser Gattung von Messinstrumenten bis hierher erreicht ist.
In der französischen Abtheilung fanden sich von Callot Freres
in Paris sehr elegante und schön gearbeitete Wagen. Hempel, De-
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