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Full text : Wissenschaftliche Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 11

Section  I.  Mathematische  Instrumente  etc.  503
stische,  optische,  thermische  und  elektrische  Apparate  festzuhalten.  Nur
jene  technisch-physikalischen  Apparate,  die  in  der  elektrischen  Telegraphie ­
  verwendet  werden,  sollen  hiervon  eine  Ausnahme  bilden  und
in  einem  besonderen  Abschnitte  besprochen  werden.  Sie  bilden  bereits
einen  der  bedeutenderen  Industriezweige  und  überdies  ist  es  gerade
die  elektrische  Telegraphie,  in  welcher,  wesentlich  durch  die  Ausstellung
von  Siemens  &  Halske  in  Berlin,  der  Fortschritt  in  Construction  und
Ausführung  der  Instrumente  mehr  als  in  jedem  anderen  Zweige  physikalischer ­
  Apparate  wahrhaft  überraschend  entgegen  trat.
Die  Herstellung  der  Apparate  zur  Demonstration  der  Lehrsätze
des  allgemeinen  mechanischen  Theils  der  Naturlehre  ist  durch  den  ausgedehnten ­
  Bedarf  der  technischen  Lehranstalten  zu  einem  nicht  unbedeutenden ­
  Industriezweige  angewachsen.  Wollte  man  aus  den  zur
Ausstellung  gebrachten  Apparaten  einen  Schluss  ziehen  auf  die  Entwickelung ­
  der  Schulen  der  betreifenden  Länder,  so  würden  das  Deutsche
Reich,  die  Schweiz  und  Oesterreich  eine  bevorzugte  Stelle  einnehmen.
Man  muss  sich  aber  erinnern,  dass  auf  der  Pariser  Ausstellung  Frankreich ­
  und  England  nicht  minder  glänzend  in  gleicher  Richtung  vertreten ­
  waren  und  dass  es  wohl  nur  äussere  Gründe  waren,  aus  welchen
die  französischen  und  englischen  Werkstätten  an  der  W  iener  Ausstellung
sich  in  geringerem  Grade  betheiligten.
Die  ältesten  physikalischen  Apparate,  Barometer  und  Luftpumpe, ­
  für  die  man  beinahe  eine  Stabilität  der  Construction  hätte
erwarten  können,  haben  in  den  letzten  zwei  Decennien  noch  einmal
durch  neuere  Constructionen  wichtige  Erweiterungen  und  erfolgreiche
Umwandelungen  erhalten,  die  Barometer  durch  Erfindung  der  Aneroide
und  die  Luftpumpe  durch  Erfindung  der  Quecksilberluftpumpe.  Die
älteren  Instrumente  werden  dadurch  nicht  entbehrlich,  für  bestimmte
Zwecke  sind  aber  die  neueren  Constructionen  von  entschiedenem  Werthe,
die  der  Aneroide  in  allen  Fällen,  in  welchen  es  sich  um  ein  leicht
transportables  Barometer,  wie  bei  Höhenmessungen  und  auf  Reisen,
und  die  Quecksilberluftpumpe  in  Fällen,  in  welchen  es  sich  um  die
Erzielung  einer  Luftleere  handelt,  die  mit  der  der  Barometerleere
wetteifert.  •
Das  neue,  von  Vidie  im  Jahre  1848  zur  Messung  des  Luftdruckes
erfundene  und  Aneroid  benannte  Instrument  ist  der  Hauptsache  nach
ungeändert  geblieben.  Die  Aenderung,  welche  Bourdon  unter  der
Bezeichnung  „Metallbarometer“  versuchte,  hat  sich  praktisch  minder
bewährt  und  war  auch  in  der  Ausstellung  —  wenn  dem  Berichterstatter
dies  nicht  etwa  entgangen  sein  sollte  —  nicht  vertreten.  Das  Aneroid
von  Yidie  besteht  bekanntlich  in  einer  luftleeren  Metalldose  mit  dünnem ­
  biegsamen  Deckel.  Auf  der  Mitte  des  Deckels  ist  ein  Stift
befestigt,  der  an  den  Bewegungen  des  Deckels,  wie  solche^mit  dem
wechselnden  Luftdrucke  eintreten,  Antheil  nimmt.  Eine  Feder,  die
            
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