504 Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente.
meist äusserlich am Stift in einer dem Luftdruck entgegengesetzten
Richtung wirkt, macht den Apparat zu einer Federwage. Er theilt
also alle Vorzüge und alle Nachtheile der Federwage, den Vorzug der
Compendiosität und den Nachtheil, dass die Abhängigkeit der Federkraft
yon der Temperatur nur auf empirischem Wege bestimmt werden
kann. Dazu kommt noch, dass die Bewegungen des Stiftes auch unter
bedeutenden Druckdifferenzen wegen der eng begrenzten Biegungen
des Deckels nur sehr klein ausfallen dürfen. Bei den zurZeit üblichen
Dimensionen der Aneroide beträgt für eine Druckdifferenz von 1 mm
c ie. Bewegung des Stiftes kaum 1 /$oo eines Millimeters. Um diese
kleinen Bewegungen messbar erscheinen zu lassen, sind zweierlei Wege
eingeschlagen, der eine von Vidie mit einerModification nachNaudet
eingeschlagene Weg geht dahin, durch passende Versetzungen in vergrössertem
Maassstabe die eintretenden Aenderungen ablesbar zu machen,
der andere von Goldschmid in Zürich besteht in einer Art Fühlhebel
mit Mikrometerschraube. Beide Constructionen waren in der Ausstellung
vertreten. Principiell wird man der Methode von Goldschmid
einen Vorzug einräumen, sie hat nicht in gleichem Grade mit Fehlerquellen
zu kämpfen wie die Methode der vielfachen Transmissionen.
Es versteht sich indess von selbst, dass über diese Frage nur eingehende
Untersuchungen in den Laboratorien entscheiden können.
Einstweilen hat sich die Anfertigung der Aneroide zu einem selbstständigen
Industriezweige entwickelt. Die gefällige Form, in der sie
ausgeführt werden, hat ihnen auch da rasch Eingang verschafft, wo
das Instrument nicht als Messapparat, sondern mehr als Zimmergeräth,
wie das gewöhnliche Barometer, gebraucht wird. Von den zur Ausstellung
gebrachten Instrumenten sind wohl in erster Linie die von
Goldschmid in Zürich zu nennen. Vorzügliche Instrumente nach
dem System von Yidie mit den Constructionsänderungen von Naudet
brachten Neuhoefer in Wien und E. Gottlieb, ebenfalls in Wien,
ebensolche in Taschenuhrformat waren von Deutschbein in Hamburg'
von Lion & Gruichard in Paris und von Pillisher, einem in
London etablirten Mechaniker aus Ungarn, zur Ausstellung gebracht.
Die Quecksilberluftpumpe, wenn auch dem Grundgedanken
nach schon von Toricelli angedeutet, ist doch erst von Dr. Geissler
in Bonn realisirt und in eine zum Experiment brauchbare Form
gebracht. Ihre der Kolbenluftpumpe gegenüber grössere Leistungsfähigkeit
gründet sich vorzugsweise darauf, dass einerseits der schädliche
Raum vollständig beseitigt erscheint und dass andererseits die
bei der Kolbenluftpumpe unvermeidlich auftretenden Oeldämpfe ausgeschlossen
sind. Von Dr. Geissler selbst war eine ganz in Glas ausgeführte,
für physikalischen und physiologischen Gebrauch bestimmte
Pumpe ausgestellt, die, wie alle Ausführungen von Geissler. den in
Glasconstructionen nicht übertroffenen Künstler kennzeichnen. Für