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Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente.
die beschränktere Anwendung der Haustelegraphie und waren in den
mannigfaltigsten Formen, in welchen sie in Privathäuseru, zur Zeit
wohl am verbreitetsten in Frankreich, in Anwendung kommen, von
Walker in Paris zur Ausstellung gebracht.
Die optischen Apparate bilden ein reicheres Gebiet wissen
schaftlicher Instrumente. Unter denselben sind zunächst die dioptrischen
Apparate in ihren mannigfaltigen Verzweigungen anzuführen. Brillen,
Lorgnetten, Lupen, Lesegläser und Theaterperspective sind Gegenstände
so allgemeinen Gebrauchs, dass zur Herstellung derselben mehr und
mehr ein fabrikmässiger Betrieb in Anwendung kommt. Vor kaum
mehr als dreissig Jahren war die Ausführung dieser Gegenstände bei
nahe als eine Domaine der Pariser Industrie zu bezeichnen. Es hat
sich dies wesentlich geändert. Die Herstellung der Brillenfassungen
in Stahl, Horn, Silber und Gold ist eine sehr ausgedehnte Industrie in
Nürnberg und Fürth geworden und Theaterperspective werden von den
Firmen Emil Busch in Rathenow und F. Gross in Wien von den
einfachsten Formen bis zur Luxusausstattung und zu Preisen geliefert,
die vollständig die Concurrenz mit den Pariser Fabrikaten bestehen.
Von Fürth hatten Schweizer & Söhne und Schneidig & Söhne
in reichster Auswahl Brillen und Brillenfassungen ausgestellt. Von
Paris sind J. Hoel und A. Lebrun zu nennen, die in bekannter fran
zösischer Eleganz Lorgnetten, Theaterperspective und gewöhnliche
zum Handgebrauch dienende Fernröhre zu überraschend billigen Prei
sen zur Ausstellung gebracht hatten.
An die dioptrischen Instrumente zu wissenschaftlichem Gebrauche
sind andere Anforderungen zu stellen. Für die Leistungsfähigkeit der
selben sind zunächst die zu verwendenden Glassorten von entscheiden
dem Momente. Die Prüfungsmittel für optische Homogenität und die
Messmethoden zur Bestimmung des Dispersionsvermögens der Gläser
sind seit Fraunhofer bekannt, ebenso sind bekannt die Vervoll
kommnungen und Vereinfachungen, welche diese Messmethoden durch
das Spectrometer von A. Steinheil und durch das Refraetometer
von E. Abbe erfahren haben, aber die Kunst der Herstellung optisch
homogener Gläser scheint nicht in gleicher Weise sich ausgebreitet zu
haben, wie man dies nach den zugänglicher gewordenen und verein
fachten Prüfungsmitteln hätte erwarten sollen. Es sind noch immer
nur wenige Institute zu nennen, von denen tadelfreies Glas zu beziehen
ist. Das von Fraunhofer in Benedictbeuern gegründete, jetzt von
Merz geleitete Institut, das von Daguet in der Schweiz, von Feil,
vormals Bontemps in Paris und von Chance in Birmingham sind
die vorzugsweise, zu nennenden Etablissements. Seit Fraunhofer
ist wohl überhaupt kein wesentlicher Fortschritt in der Fabrikation
optischen Glases gemacht. Allerdings ist es gelungen, specifisch schwe-