Section I. Mathematische Instrumente etc.
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reres Flintglas mit grösserer Dispersion des Lichtes herzustellen, aber
E. Abbe bemerkt mit Recht, dass die Vervollkommnung dioptrischer
Instrumente nicht von der Bereitung schwerer Gläser, sondern von der
Auffindung solcher Glasflüsse abhänge, für welche der mittlere
Brechungsindex und die Dispersion andere Verhältnisse haben als bei
den gangbaren Arten von Crown- und Flintglas, ohne zugleich der
Herstellung homogenen Glases die gleichen Schwierigkeiten entgegen
zusetzen, wie solche namentlich bei der Bereitung des Flintglases zu
überwinden sind. — Merz aus München hatte Prismen aus Flintglas
von hoher Dispersion in bekannter Vollendung, und Feil hatte eben
falls Prismen und verschiedene Glassorten eigener Fabrikation aus
gestellt. Gottliffe pere, fils & Co. inLigny brachten optische Glä
ser, Linsen und sphärische Glasspiegel und H. Radiguet planparallele
Gläser zu sehr massigen Preisen. Zur Prüfung und Vergleichung war
nicht Gelegenheit geboten. Die Schwierigkeit der Herstellung plan
paralleler Gläser ist übrigens bekannt und ebenso bekannt sind die
auch in dieser Richtung vorzüglichen Leistungen des Stein he il’sehen
optischen Institutes in München, welches aber leider an der Ausstellung
sich nicht betheiligte.
Die Spectralanalyse mit ihren wunderbaren Erfolgen in Astro
physik, Physik und Chemie hat rasch eine Bereicherung der optischen
Instrumente hervorgerufen, die indess in der Ausstellung wesentlich
nur in der deutschen und in der Schweizer Abtheilung zum Ausdruck
kam. Im Bau der Spectralapparate kommen zwei Systeme zur Anwen
dung, die in einzelnen Fällen selbst wieder combinirt mit einander ver
wendet werden. In dem einen System sind die Prismen in polygoner
Stellung nach der Angabe von Kirchhoff, dem Begründer der Spectral
analyse, geordnet. Der Apparat ist zum Studium des Spectrums der
vollendetste, die Verbreiterung des Spectrums wird durch die sich mul-
tiplicirende Wirkung der Prismen und nicht durch Erhöhung der Ver-
grösserung des Ablesefernrohres erzeugt, die Lichtstärke nimmt daher
nur im einfachen Verhältniss mit Breite des Spectrums und nicht im
quadratischen ab, wie dies eintreten würde, wenn man mit stärkerer
Vergrösserung durch das Fernrohr die gleiche Breite erreichen wollte.
Ein nach diesem Systeme construirtes Spectrometer in vortrefflicher
Ausführung war von der Genfer „Gesellschaft zur Anfertigung
physikalischer Instrumente“ ausgestellt. DieMontirung war die
ähnliche wie die von Nor mann Lokyer für das Telospectroskop an
gegebene, der Kreis mit den Fernrohren konnte in jede beliebige Lage
versetzt werden, war balancirt, leicht beweglich und mit allen erfor
derlichen Correctionen versehen.
Das zweite in der Construction des Spectralapparates benutzte
Prismensystem gründete sich auf eine in einfachster Form zuerst von
Amici angegebene Combination von Crown- und Flintglasprismen.