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Full text: Wissenschaftliche Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 11

Section I. Mathematische Instrumente etc. 511 
erstatter hei anderer Veranlassung zu prüfen Gelegenheit hatte, zeich 
nen sich überdies durch einen grösseren Grad von Genauigkeit aus, 
als man bei fabrikmässiger Herstellung solcher Instrumente zu erwar 
ten geneigt ist. Sie sind nicht allein für den meisten Gebrauch in 
der Technik ausreichend, sie sind auch von genügender Empfindlich 
keit und Genauigkeit für den Gebrauch, der heutigen Tages in prak 
tischer Medicin von Thermometrie gemacht wird. Als Normalthermo 
meter sind sie freilich nicht zu gebrauchen, es kommt eben dann ausser 
der geschickten Hand des Verfertigers noch Anderes in Betracht, was 
in der fabrikmässigen Ausführung unbeachtet bleibt. In dieser Rich 
tung stehen die Leistungen von Dr. Geissler in Bonn, wie solche 
auch in der Ausstellung glänzend vertreten waren, unübertroffen da. 
Oesterreich, die Schweiz, Frankreich und ohne Zweifel auch 
England liefern wie Belgien, Holland, Dänemark wohl den eige 
nen Bedarf. Auch Italien tritt wieder in die Reihe der Länder ein, die 
für den eigenen Hausbedarf sorgen. 
Das Luftthermometer bietet einerseits in Empfindlichkeit 
und Genauigkeit, und andererseits in dem Umfange, in welchem mit 
demselben Temperaturen messbar erscheinen, Vorzüge vor dem Queck 
silberthermometer. In der Ausstellung war dasselbe durch ein von 
Stollenreuther in München correct ausgeführtes Instrument ver 
treten. Es ist auf das zuerst von Rudberg in der Thermometrie em- 
geführte Princip der Aenderung der Spannkraft der Gase constanten 
Volumens durch die Wärme gestützt, bietet aber in der Construction 
manche für den Gebrauch erwünschte Vereinfachung und Verbesserung. 
Durch die Spiegelscala erscheint die Ablesung der je nach der Tempe 
ratur eintretenden Druckdifferenzen ohne Anwendung eines Katheto- 
meters und ohne parallaktischen Fehler ausführbar, und die hülluug 
mit trockner Duft oder trocknen Gasen ist auf höchst einfache Opera 
tionen zurückgebracht. Die unvermeidliche Fehlergrenze wird bei ein 
maliger Beobachtung noch kaum 1/30 °C. überschreiten. Die Maximaltem 
peratur, die mit Luftthermometern bestimmbar ist, hängt wesentlich 
von dem Material des Luftgefässes resp. von der Schwerschmelzbarkeit 
desselben ab. Unter Anwendung von Glasgefässen kann man bis zu 
Temperaturen von 500° 0., bei Porcellangefässen bis zu Temperaturen 
von 1500° C. gehen, ohne dass eine Deformation derGefässe zu besorgen 
ist. Die Genauigkeit nimmt nur dadurch bei höheren Temperaturen 
ab, dass die Aenderungen, welche die Ausdehnungscoefficienten von 
Glas und Porcellan in höheren Temperaturen erfahren, nur annähernd 
in empirischen Formeln sich ausdrücken lassen. Immerhin ist aber 
das Luftthermometer zur Zeit das verlässigste Instrument zur Mes 
sung höherer Temperaturen. 
Für pyrotechnische Zwecke, also gerade für die Fälle, die in der 
Industrie die grössere Bedeutung besitzen, ist das Luftthermometer
	        
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