512 Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente.
nur in eingeschränktem Maasse anwendbar. Um so willkommener
erscheint die von C. W. Siemens zur Ausstellung gebrachte Construc-
tion eines für technische Zwecke brauchbaren Pyrometers. Dasselbe
gründet sich auf die Aenderungen des elektrischen Leitungswiderstan
des, welche die Metalle je nach ihrer Temperatur erfahren. Das Gesetz
der Aenderung des Widerstandes mit den Temperaturen als bekannt
vorausgesetzt, wird die thermometrische Aufgabe auf die Messung der
Leitungswiderstände zurückgeführt. Sind die unvermeidlichen Fehler
quellen auch grösser als bei Luftthermometern, so betragen sie doch
nach Weinhold’s Versuchen im äusserstenFalle 5 Proc.der zu messen
den Temperatur, und leisten hiermit mehr als alle anderen in Vorschlag
gebrachten Pyrometer, und einstweilen so viel als in der Mehrzahl der
pyrotechnischen Processe ausreichend erscheint. Der Vorzug des
Instrumentes den Luftthermometern gegenüber besteht in der leichten
Adoptirung des Instrumentes, indem es beinahe so bequem wie das
Quecksilberthermometer zur Bestimmung mittlerer Temperaturen zur
Messung der Hitzegrade in Schmelzöfen oder überhaupt in hüttenmän
nischen Processen verwendet werden kann. Siemens hat auch ein
äusserst compendiös und zweckmässig construirtes Instrument auf
gestellt, welches auf das von Coulomb in der Pyrometrie eingeführte
calorimetrische Verfahren gestützt ist, und nächst dem Widerstands
pyrometer die genaueren Resultate giebt. Auch dieses Instrument
ist als ein Fortschritt und Gewinn für Pyrometrie zu bezeichnen.
In der ungarischen Abtheilung war von H. v. Krusper ein
1 hermochronometer ausgestellt, ein Instrument, welches es ermöglicht,
aus den Aenderungen der Schwingungsdauer eines Pendels die ein-
getretenen Temperaturänderungen zu erschliessen. Grassmann und
Liewster hatten schon früher den gleichen Weg betreten, und nament
lich ist das von Grassmann angegebene Verfahren mit dem von
v. Krusper reproducirten übereinstimmend. v. Krusper’slnstrument
lässt nach den mitgetheilten Beobachtungen eine Genauigkeit in der
Bestimmung der Temperaturänderungen erreichen, für welche der
wahrscheinliche Fehler nur + 0'049° C. beträgt.
Die graphischen Thermometer sind als eine für manche Unter
suchungen und ebenso für manche Zwecke in der Technik unentbehr
liche Classe von Instrumenten noch besonders hervorzuheben. Die
älteste Form derselben ist die der Maximal- und Minimalthermometer.
Zu den gebräuchlichen Constructionen nach Rutherford und nach
Walferdin ist durch Hermann & Pfister in Bern eine neuere,
bestehend in einem graphischen Metallthermometer, hinzugetreten.
Das freie Ende des Metallthermometers schiebt durch Stifte bewegliche
Zeiger je nach der Temperatur vor oder zurück, und giebt somit
durch die Stellung der Zeiger die Temperaturextreme an. Die Genauig-