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Full text: Wissenschaftliche Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 11

Reichhaltigkeit, wie in Fortschritten und Neuerfindungen hatte wohl 
keine der früheren Ausstellungen das Gleiche aufzuweisen. Die For 
derung, welche die Telegraphie durch die Forschungen und Erfindun 
gen von Dr. Werner Siemens, des Chefs der Anstalt, erfahren hat, 
wird in Durchgehung der einzelnen Telegraphenclassen. und der zum 
Gebrauch erforderlichen Hilfsapparate nur um so klarer sich heraus- 
stellen. 
Die Nadeltelegraphen sind von eingeschränkterer Verwendung. 
Ihren Vorzügen, grosse Empfindlichkeit und ausnehmend einfache Con- 
struction und Handhabung, steht die Unbequemlichkeit entgegen, 
welche die auf rasch vorübergehende Zeichen zu richtende Aufmerk 
samkeit mit sich bringt. Sie werden daher besonders in den Fällen, 
in welchen ein Telegraphiren unter Anwendung sehr schwacher 
Ströme geboten ist, ihre vorzüglichsten Dienste leisten. Dies tritt be 
kanntlich beim Telegraphiren durch unterseeische Kabel beträchtlicher 
Länge ein. ihomson, der die Gründe hierfür aufdeckte, gab in 
dem Reflexgalvanonieter, einer Modification des Spiegelgalvanometers, 
dem Nadeltelegraphen die hierfür passende Form. Das Thomson’sche 
Instrument war nicht zur Ausstellung gebracht. Dagegen waren Nadel 
telegraphen älterer und neuerer Construstion, wie solche noch vielfach na 
mentlich in England und auch allgemein für Zwecke des Bahndienstes im 
Gebrauch sind, ausgestellt. In der historischen Abtheilung.befand sich der 
von Dr. Siemens im J ahre 1849 angegebene Doppelnadeltelegraph, und in 
der englischen Abtheilung ein Apparat neuerer Construction von Sie mens 
Brothers in London. 
Die Zeigertelegraphen sind von ausgedehnterer Verwendung. 
Die Ausstellung gab einen ziemlich vollständigen Ueberblick über die 
seit ihrer Erfindung durch Wheatstone und Cook eingetretenen Um 
wandelungen und Vervollkommnungen. In der historischen Abtheilung 
waren der von Leonhard in Berlin im Jahre 1845 construirte und ebenso 
der von Dr. Kramer erfundene ausgestellt. Die französische Abthei 
lung brachte die zur Zeit in Frankreich in ausgedehntestem Gebrauche 
befindlichen Zeigertelegraphen von Breguet und die deutsche Ab 
theilung brachte den mit Selbstunterbrechung des Stromes arbeiten 
den magnetelektrischen Telegraphen von Dr. Siemens. Die von 
Wheatstone selbst herrührenden neueren Gonstructionen waren nicht 
zur Ausstellung gebracht. 
Die Drucktelegraphen besitzen für praktische Verwendung 
den eminenten Vorzug, bleibend die Depeschen zu notiren. Ihrer Ver 
vollkommnung war ebendeshalb mit verdoppelter Energie das Talent 
der Erfinder zugewendet,. Der Fortschritt ist aber auch ein in höch 
stem Grade überraschender, der am prägnantesten im erreichten Ziele, 
in den beiden jüngsten von Siemens und Ilalske ausgestellten Er-
	        
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