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Full text: Wissenschaftliche Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 11

546 Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente. 
Sternwarten. Es liegt in der Natur der Sache, dass Schiffschronometer 
und astronomische Pendeluhren nicht fabrikmässig angefertigt werden, 
wenn auch hier, namentlich bei Sehiffschronometern, vieles, insbesondere 
die Rohwerke, von einzelnen Geschäften zusammengekauft wird. 
Schiffschronometer und astronomische Pendeluhren waren durch 
Knoblich in Altona und Bröcking 1 in Hamburg in ausgezeichneter 
Weise und auch noch von einigen anderen vertreten. Es ist bis jetzt 
im Deutschen Reiche noch keine Vorkehrung getroffen, um die Schiffs 
chronometer auf Sternwarten einer amtlichen Prüfung zu unterziehen. 
Aehnlich verhält es sich mit Thurmuhren, und es giebt überhaupt 
nur einige Geschäfte, wo dieselben wirklich fabrikmässig — mit Arbeits 
teilung und auf bestimmte Nummern beschränkt — gefertigt werden, 
wozu eigentlich erst die Eisenbahnen durch ihren Bedarf an Stations 
uhren Veranlassung gaben. Das Deutsche Reich war in eigentlichen 
Thurmuhren verhältnissmässig zum Bedarf gut vertreten, indem der 
Katalog dreizehn Aussteller aufführt, wovon einzelne mehrere, bis sechs 
Stücke (nicht lauter Thurmuhren), aufgestellt haben. 
Die Arbeit war im Allgemeinen gut, wenn auch die Zahnform in 
einzelnen Fällen nicht correct war. Die Tendenz vieler Aussteller 
ging dahin, dem Pendel während 30 bis 60 Secunden oder doch wäh 
rend eines Theils der Secunde freie Schwingung zu verschaffen und 
den Impuls immer nur nach 30 bis 60 Secunden wirken zu lassen, 
nach welcher Zeit das Pendel ein Laufwerk auszulösen hat, welches 
dann auch die Zeiger treibt. Im Allgemeinen war man nicht der Mei 
nung, dass hierbei viel Gutes erzielt wird, namentlich nicht, wenn die 
Sache auch auf astronomische Pendeluhren ausgedehnt wird, da einmal 
keine dieser Pendelbewegungen ganz frei sein kann und jede Künstelei 
im Baue einer Uhr in der Regel nachtheilig wirkt. Es fand deshalb 
nur die Mannhardt’sche Uhr dieser Art ihrer Einfachheit und sonst 
vorzüglichen Arbeit wegen den Beifall der Jury, während dieselbe nicht 
glaubte, durch Prämiirung solcher Abwege oder neuer Hemmungen, 
die schon im Princip verfehlt waren — wenn auch die Arbeit sonst tadel 
los erschien —, die Urheber auf diesem Wege noch aufmuntern zu sol 
len. Wo, wie im Falle von Neher aus München, neben complicirten 
Werken auch noch einfache von sorgfältigster Arbeit ausgestellt waren, 
glaubte die Jury letztere belohnen zu müssen. 
In der Regel waren die übrigen Werke — ohne angeblich frei 
schwingendes Pendel — mit von 30 bis 60 Secuuden wirkendem Selbst 
aufzug versehen, um den Pendelgang vom Zeigerwerk unabhängig zu 
machen; die hier verwendete Kraft war dann eine Feder oder ein 
Gewicht und es war Stiften- oder Ankergang angewendet, in letzterem 
Falle auch Steinpaletten. Selbstanfzug ist für Thurmuhren eine wesent 
liche Sache, theils der grossen, dem Winde ausgesetzten Zeiger, 
theils der langen, oft Universalgelenke erfordernden Zeigerleitungen
	        
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