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Gruppe XIV. Wissenschaftliche Instrumente.
besondere Art von „Sonde u double courant“ zu erreichen. Zur Zer
trümmerung von Steinfragmenten in der Harnröhre lagen neue Con-
structionen von Reliquet und Mathieu vor. — Zur Ausführung des
Steinschnittes am Damme, namentlich zur Erleichterung desjenigen
Actes desselben, bei welchem das Messer in die Rinne der Leitungs
sonde eingesetzt und auf derselben vorgeschoben wird, finden sich meh
rere neue Instrumente, die allerdings kaum etwas Anderes sind, als
Nachahmungen älterer Instrumente, und zwar solcher, bei denen ent
weder von aussen durch das Perinaeum hindurch in die Sonde einge
stochen und dann mit dem Messer dilatirt wird (Smith in Baltimore),
oder solcher, bei denen aus einer in die Blase eingebrachten Sonde von
innen nach aussen eine Pfeilsonde am Damme hervorgestossen wird
(Mercier). Zu erwähnen ist noch ein aus vielen Blättern bestehen
des Dilatatorium von Dolbeau zu unblutiger Erweiterung desBlasen-
halses. Es lagen ferner mehrere Steinbrecher (von Nelaton, Mai-
sonneuve) vor, die nach gemachtem Steinschnitt, wenn der Stein für
die Extraction als zu gross sich erweist, angewendet werden sollen;
dieselben wirken theils durch Zerdrücken und Zersprengen des Steines
allein, theils in Verbindung mit einer Bohrvorrichtung. — Von Mallez
fand sicli ein als „dynamometre vesical“ bezeichntes Instrument, um
bei Atonie der Blase die Druckkraft derselben zu messen.
VII. Instrument© für die weiblichen Greschlechtsorgane.
Von Mutterspiegeln sind anzuführen die Modificationen des Sims’schen
einblätterigen Specnlum durch Mathieu und Collin, um bei Fistel
operationen die Seitenwände der Vagina zu spannen, ferner Cusco’s
zweiblätteriges „speculum äbec de canard“, welches den Scheidengrund,
nicht aber den empfindlichen Scheideneingang erweitert, und Demouy’s
„speculum trivalve echancre lL , welches, während der Spiegel liegt, das
louchiren mit dem Finger ermöglichen soll. — Zur unblutigen Er
weiterung oder zur Einschneidung des Muttermundes fand sich der
„dilatufeur uterin von Pajot und eine Reihe von Hysterotomen, theils
solche mit verstellbarer, theils mit cachirter Messerklinge. — Wie die
Apparate von Mathieu und Collin zu localen Blutentziehungen am
Muttermunde, bestehend in Schröpfschnäpper- und schröpfkopfartigen
Vorrichtungen, sich in der Praxis bewähren werden, müssen wir dahin
gestellt sein lassen. Eine zur Abtragung der Portio vaginalis uteri
von Collin angegebene Doppel-Guillotine soll sehr kräftig wirken.
Zum Fassen und Vorziehen von Uteruspolypen bestimmt, fanden sich
diverse Hakenzangen von Robert, Riebet, Greenhalgh. — Bei der
Operation der Blasenscheidenfistel bedient Corradi sich, zu mög
lichst exactem Anfrischen der Wundränder, nachdem er dieselben mit
gekrümmten Heftnadeln durchstochen hat, einer dreiblätterigen ge
krümmten Scheere, von welcher das eine, stumpfe Blatt zur Fixirung