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"Gruppe XV. Musikalische Instrumente.
besseren Tonwerkzeugen dieser Gattung allgemein Anwendung ge
funden hat. Die beiden ausgestellten Harfen des Hauses Erard in
Paris zeigten jenes System in grösster Vollendung. Das eine der kost
baren Instrumente, im Preise von 9000 Frcs., trug an der Stirnseite
ein mit echten Perlen eingefasstes EmailbiTd und zeichnete sich über
haupt durch luxuriöse Ausstattung aus, während die andere einfach ge
haltene Harfe des ausser Preisbewerbung getretenen Ausstellers durch
die Qualität des Tones sich geltend machte und nur 3000 Frcs. kostete.
Gewiss ist dasHausErard von deutschen Fabrikanten iin Pianofortebau
bei weitem übertroffen worden. In der Harfenfabrikation steht es aber
immer noch unerreicht da und besitzt so zu sagen ein Monopol. Unbe
dingt hat man demselben in Bezug auf die Construction der Harfe
ungemein viel zu danken, denn die alte Pedalharfe in Es konnte mit
ihren sieben Pedalen nur die drei erniedrigten Töne b, es, as in
ihren natürlichen Stand h, e und a zurückversetzen, vier andere Töne,
fi c, ffi d aber nur erhöhen, weshalb auch die Harfe nur in den acht
Tonarten Es, Ti, F, C, G, J), A und E festzustellen war. Die übrigen
vier Tonarten As, Bes, Ges, Ces (temperitt bis Tf) konnten durch enhar-
monische Verwechselungen nur theilweise und ganz unvollkommen
zum Ausdruck gebracht werden, so wie vieles Andere hinsichtlich der
Figuration für unausführbar galt. Um diese Schwächen des Instru
ments zu entfernen erfand Erard einen Mechanismus, nach welchem
die Harfen Doppelpedalharfen oder Harfen mit doppelter Verrückung
(ä double Mouvement) genannt werden.
Die Doppelpedalharfe ist in Ces gestimmt, ihr Umfang betrug
schon vor vielen, Jahren sechs Octaven und eine Quarte. Die sieben
Pedale, mit welchen sie versehen ist, sind so eingerichtet, dass der
Spieler mittelst eines jeden derselben nach Belieben die betreffenden
Saiten um einen ganzen Ton oder bloss um einen halben Ton erhöhen
kann. Stimmt man also nach und nach die sieben Pedale für den
halben Ton, so wird die Harfe in Ces in die Tonarten Ges, Bes, As, Es,
B, F, und C umgestimmt und darin festgestellt; erhöht man hierauf
jede Saite um den anderen Halbton mittelst der zweiten Verrückung
der Pedale weiter, so werden dadurch die sieben Noten der natürlichen
Tonleiter in fis, eis, gis, dis, ais, eis und his umgewandelt, wodurch dann
die Harfe die Tonarten G, B, A, E, FT, Fis und Cis erlangt. So sind
also der Harfe alle Tonarten zugänglich und selbst die harmonischen
Molltonarten (mit übermässiger Secund) können festgestellt ^werden,
während die melodischen Molltonleiter nur in der einen nach abwärts
zu gebildeten Form, also mit Erniedrigung der siebenten Stufe, zu
reproduciren sind.
Nach diesem in der Thal höchst wichtigen Instumente zur künst
lerischen Ausübung erwähne ich die reiche Auswahl der Zithern,
deren Klangcharakter zwar durchaus musikalisch ist, sich aber mehr zur