Section III. Blas- u. Schlaginstrumente. Bestaiidtheile. 663
Wiedergabe von Alpenmelodien als zur wirklichen Kunstleistung
eignet.
Das kleine liebenswürdige und ganz einfach construirte Tonwerk
zeug, welches in verschiedener Grosse angefertigt und besonders in
Wien von Anton Kiendel, in Passau von Heidegger in schönster
Form hergestellt wird, ist in Steiermark, Tyrol und im bayerischen
Hochland allgemein verbreitet.
Besonderes Verdienst um die Vervollkommnung der alten Berg
zither hat sich Anton Kiendl erworben, welcher das sogenannte
Quintensystem zur Stimmung und eine Vermehrung der Saitenzahl
einführte um alle Tonarten wiedergeben zu können.
Grösse und Tonumfang hängen jetzt von der Absicht des geschickten
Instrumentenbauers ab. Eine Zither des Russen Aarhusen erregte inso
fern die Aufmerksamkeit der Jury, als man ein neues Princip in der Bau
art erkannte. Kreisrund nach Art eines umfangreichen Tambourin gebaut
sind ihre Saiten anstatt über einen hölzernen Resonanzboden, über ein
Paukenfell gespannt. Die Membranenschwingung unterstützt aber nie
mals die Saitenschwingung, weil ja die Membrane als „Ganzes “ schwingt
und nicht in der Weise eines berippten oder durch Leisten und Seelen
befestigten und gespannten Resonanzbodens. Selbst die Intonation war
bei der russischen Zither unrein; dagegen befanden sich einzelne sehr
respectable Lauten und Guitarreninstrumente in der deutschen Ab
theilung. Freilich ist die Laute in ihrer verschiedenen Art durch das
Clavichord und die Guitarre durch die Zither grösstentheils verdrängt
worden, dennoch verdient es besondere Anerkennung, dass mehrere
deutsche Fabrikanten, besonders aus Markneukirphen, gute Instrumente
dieser Form ausgestellt hatten, wobei ich noch besonders erwähnen will,
dass Wetten gel in Markneukirchen sich auch als Mitarbeiter anderer
Firmen besonderes Verdienst erworben hat. Seine Leistungen seien des
halb an dieser Stelle als sehr beachtenswerth und preiswürdige hervor
gehoben.
Endlich besitzt Ungarn noch ein Nationalinstrument, das Cymbal,
welches in den kleinen ungarischen Nationalcapellen niemals fehlen
darf, und zur harmonischen Füllung unerlässlich ist. Es hat bei ver-
hältnissmässig dünnen Saiten eine ganz überraschende Resonanz, weil
die Saiten wegen ihres Materials und ihrer Spannung eine grosse
Reihe von Obertönen zulassen. Die disharmonirenden Obertöne treten
aber nicht mit solcher Schärfe hervor, um den Klangcharakter unange
nehm zu machen, weil der Anschlag mit weichen Klöppeln dem Grund
tone dennoch das Uebergewicht giebt. Indischen Ursprungs war das
Cymbal oder Hackebrett im ganzen Orient in den frühesten Zeiten be
kannt. Von den Musikgelehrten des 16. und 17 Jahrhunderts scheint
es aber sehr gering erachtet worden zu sein, da sie dasselbe zu den
„Lunipeninstrumenten“ zählen, welchem Ausdruck ich durchaus nicht