Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

668

Gruppe  XV.  Musikalische  Instrumente.
Die  Resonanz  ist  viel  mächtiger  als  bei  den  lautenartigen  Tonwerkzeugen ­
  „Kusser“  und  „Samsin“,  von  welchen  das  erste  mit
vier,  das  zweite  mit  drei  Saiten  bezogen  ist.
Alle  chinesischen  und  japanesischen  Instrumente  fanden  sich  überdies ­
  auch  in  Niederländisch-Indien  in  kleinen  Nachbildungen  vor.  Es
war  hier  das  Modell  eines  vollständigen  javanischen  Orchesters  ausgestellt. ­
  Dasselbe  bestand  hauptsächlich  aus  Glocken,  Glockenspielen,
Becken,  Pauken,  Holz-  und  Metallstreifen,  welche  auf  Metallstiften
ruhen  und  mit  Hämmerchen  angeschlagen  werden.  Letztere  Instrumente
haben  die  Form  eines  Sopha  und  werden  „Kamboung  Kayu“  genannt.
Das  ganze  javanische  Orchester  beweist  deutlich,  dass  auf  der  Insel
Java  hinsichtlich  der  Musik  dieselben  Grundsätze  herrschen,  wie  in
China  und  Japan  und  dass  selbst  die  geringfügigsten  Instrumente  der
Chinesen  und  Japanesen  dort  Eingang  gefunden  haben.  Eine  grosse
Rolle  spielten  die  verschiedenen  Arten  des  „Gony“  und  „King“
der  Chinesen,  eines  Instruments  aus  Metallglöckchen,  auch  Metall-  oder
Holztäfelchen,  die  aufgehängt  und  nach  der  chinesischen  Scala  gestimmt
mit  Holzhämmerchen  geschlagen  werden.  Das  Instrument  ist  überdies
auch  bei  den  Arabern  und  Persern  bekannt,  deren  Tonwerkzeuge  im
Wesentlichen  in  der  persischen  Abtheilung  zu  finden  waren.  Hier
interessirten  am  meisten  die  lautenartigen  Instrumente  den  Historiker,
weil  sich  an  diese  die  Erinnerung  knüpfte,  wie  viel  die  moderne  Musik
der  Laute  zu  verdanken  hat;  denn  sie  vertrat  in  früherer  Zeit  die
Stelle  des  Clavichords  und  hat  wesentlich  zur  Entwickelung  der  musikalischen ­
  Formen  im  weltlichen  Stil  beigetragen.  Von  den  Arabern
und  Persern  ist  dieses  wichtige  Ton  Werkzeug  nach  Spanien,  Italien  und
Deutschland  gedrungen  und  namentlich  hat  sich  dasselbe  nach  den
Kreuzzügen  bleibend  Jahrhunderte  hindurch  in  deutschen  Familien
eingebürgert  erhalten.
Die  Araber  halten  zwar  die  Laute  (arabisch  l’eud  oder  el’end,
d.  h.  Holz,  spanisch  laudo,  italienisch  linto  oder  lento)  für  eine  Erfindung ­
  des  Pythagoras,  schreiben  aber  den  früheren  Besitz  den  Persern
zu;  denn  der  arabische  Autor  Nobata  (aus  dem  13.  Jahrhundert)  sagt
ausdrücklich,  dass  ein  gewisser  Nadher  Ben  el  Hares  Ben  Kelde
von  Hira  an  den  Hof  des  Königs  Chosru  Parviz  abgesandt  worden
sei  und  dort  das  Lautenspiel,  auch  persische  Melodien  erlernt  habe,
die  er  dann  selbst  in  Mekka  lehrte.  Persien,  als  der  Ursitz  der  Laute,
hat  sich  also  indirect  grosse  Verdienste  auch  um  die  europäische  Musik
erworben,  so  eigenthümlich  dieser  Ausspruch  im  Augenblick  erscheinen
mag,  wenn  man  nicht  in  Erwägung  zieht,  wie  unsere  Tonkunst  mehr
als  drei  Jahrhunderte  hindurch  gearbeitet  hat,  um  die  Herrschaft  über
alle  anderen  Länder  zu  erringen.  In  der  Vorbereitungszeit,  und  noch
zu  Anfang  des  mächtigen  Aufschwunges  sind  aber  persische  und  arabische ­
  Instrumente,  so  besonders  die  Laute,  das  geigenartige  Instrument
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.