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Full text : Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

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Gruppe  XV.  Musikalische  Instrumente.
Clavicymbel  oder  Symphonie  anzusehen.  Ohn  allein,  dass  an  etlichen
die  Blasebälge  hintenan,  in  etlichen  aber  inwendig  in  das  Corpus  hinein ­
  gelegt  werden.
In  der  österreichischen  Abtheilung  der  Wiener  Weltausstellung
hatte  der  Tyroler  Lechleitner  in  einem  Flügelkasten  einPfeifenwerkchen
  hineingelegt,  welches  ganz  mit  der  alten  Beschreibung  des  Claviorganum
  übereinstimmte.
Praetorius  berichtet  uns  auch  etwas  von  dem  Geigenclavicymbel,
als  dessen  Erfinder  sich  Herr  Hanss  Hayden  von  Nürnberg  ausgab,
obgleich  Galilaei  undAndere  behaupteten,  dass  vor  derZeit  des  Herrn
Hayden  „solche  Art  Geigenwerk  inventiret  und  ausspeculirt  worden  sei.“
Anstatt  der  Anschlagstifte,  welche  bei  den  anderen  besaitetenClavieren  die
Saiten  zum  Ertönen  brachten,  hatte  dieses  Geigenwerk  fünf  oder  sechs
Stahlräder  mit  Pergament  glatt  überzogen  und  mit  Colophonium  bestrichen. ­
  Diese  Räder  wurden  durch  ein  anderes  grosses  Rad  und
*-  verschiedene  Rollen  unter  dem  Resonanzboden  vom  Organisten  selbst
mit  den  Füssen  in  Bewegung  gesetzt  oder  ein  Hülfsmann  brachte  dieselben ­
  mit  den  Händen  in  Schwung.  Wenn  eine  Taste  niedergedrückt
wurde,  so  berührte  die  gleichnamige  Saite  eines  der  umlaufenden  Räder,
wodurch  ein  dem  gestrichenen  Tone  ähnlicher  Klang  entstand.
Die  Saiten  waren  von  Stahl  und  Messing,  von  welchen  die  tiefsten ­
  bis  zum  contra  F,  ja  sogar  bis  zum  contra  D  an  Dicke  den  groben
Saiten  eines  Contrabasses  nichts  nachgaben.  In  der  Höhe  nahmen
dieselben  natürlich  an  Grösse  und  Dicke  nach  und  nach  ab.  Ganz
dasselbe.  Streben  nach  solcher  Klangwirkung  fand  man  in  der  französischen ­
  Abtheilung  der  Wiener  Weltausstellung  vor,  woBaruth  aus  Lyon
und  Bandet  aus  Paris  mit  dem  Piano-Quatuor  eine  neue  wenn  auch
nicht  so  vollkommen  construirte  Auflage  des  alten  Geigenclavicymbels
geliefert  hatten.  Eine  mit  Colophonium  bestrichene  durch  die  Füsse
in  Bewegung  gesetzte  Walze  stand  hier  in  Verbindung  mit  Schweinsborsten, ­
  Saiten  und  Mechanik.  Sie  brachte  die  Saiten  eines  Pianino
durch  Reibung  zum  Ertönen  nnd  zwar  in  den  verschiedensten  Stärkegraden. ­
  Das  alte  Geigenclavicymbel  erscheint  aber  deswegen  noch
besser  und  reichhaltiger  als  das  Baudet’sche  Instrument,  weil  es  mit
vielen  Saitenregisterzügen  zu  Nachahmung  verschiedener  Streichinstrumente ­
  ausgestattet  war.  Die  heutigen  Fabrikanten  sind  oft  nicht  ganz
klar  darüber,  wie  viel  sie  früheren  Jahrhunderten  zu  verdanken  haben,
und  viele  derselben  wissen  nicht,  dass  schon  zu  der  Zeit,  wo  eine  weit
geringere  Kenntniss  über  die  Art  des  Anschlags  verbreitet  war,  Mechaniken ­
  erdacht  und  dem  Publicum  dargeboten  worden  sind,  welche
man  auf  den  Ausstellungen  zu  Paris  1867  und  Wien  1873  als  neue
Erfindungen  anpreisen  wollte.
Zu  diesen  gehört  z.  B.  die  sogenannte  Transponinnechanik,  von
welcher  Bau  mann  &  Szlezäk  aus  Pressburg  in  der  ungarischen
            
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