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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

572 Gruppe XY. Musikalische Instrumente. 
Manual und den Saiten setzte man Klötzchen ein, die man heraus 
nehmen konnte, wenn man die Claviatur verrücken wollte. Die Docken 
waren also gewissermaassen von der Bewegung der Claviatur unab 
hängig, weil sie ruhig in ihrer Ordnung stehen blieben, und nur die 
Palm ulen (Tasten) wurden durch die Verrückung der ganzen Claviatur 
an andere Stellen versetzt. Wollte man z. B. eine Transposition von 
einem halben Ton nach der Höhe zu bewirken, so musste die C-Taste 
die Cis-Saite, D-Taste die Dis-Saite u. s. w. zum Ertönen bringen. 
Nach der Tiefe zu setzte die C-Taste die Docke für die H-Saite in Be 
wegung, wenn die Transposition um einen halben Ton bewerkstelligt 
wurde. Dass noch weitere Transpositionen ausgeführt werden konnten, 
lernen wir auch aus dem P’raetorius, dessen Transponirclavicymbel 
sogar den Unterschied von cis-Und des und von anderen chromatisch- 
enharmonischen Stufen erkennen Hess. Schon vor Einführung der Ham 
mermechanik kannte man also die auf der Wiener Ausstellung in ver 
schiedener Gestalt figurirende Transponirmaschine vollkommen. Gewiss 
wird daher auch der Instrumentenbauer die Herstellung einer solchen 
nicht mehr als eine Erfindung der Neuzeit bezeichnen wollen, welche 
glücklicher Weise immer mehr und mehr darnach strebt, unkünstle 
rische Spielereien ahzuwerfen und nur das auf wissenschaftlicher Basis 
Errichtete zur Geltung zu bringen. Seit Benutzung der Hammermecha 
nik, welche von dem Deutschen Christoph Gottlieb Schröter in 
Dresden schon 1717 erfunden t zu Anfang des Jahres 1721 am sächsi 
schen Hofe präsentirt und sodann nach Gottfried Silbermaun’s 
trefflichen Arbeiten in Freiberg in alle Länder verbreitet wurde, 
hat die Musikwissenschaft an der Vervollkommnung der Instrumente 
wesentlichen Antheil genommen. Höchst interessant ist besonders die 
Thatsache, dass ebenso wie in der Jetztzeit die Theorie von den har 
monischen Ohertönen, welche Helmholtz in geistvollster Weise dar 
legte , den Instrumentenbauern zur Erzeugung einer edlen Klangfarbe 
die besten Anhaltspunkte für die Einrichtung der Mechanik bietet, auch 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts schon die harmonischen Obertöne die 
Quelle bildeten, aus welcher man das neue, weittragende Moment zur 
Förderung des Pianofortehaues schöpfte. Denn Ch. G. Schröter be 
kennt aufrichtig, dass er durch das Instrument desPantaleon Heben 
streit auf seine Erfindung gebracht wurde, von welchem Tonwerk 
zeuge der gelehrte Leipziger Cantor Kuhnau die Natur des Klanges 
ausdrücklich beschrieben hat. Namentlich ho^i dieser hervor, dass beim 
Anschlag einer Saite zugleich die Partialtöne bis zum sechsten gehört 
wurden, und dass von diesen wiederum der dritte, also die Duodecime, 
am stärksten hervortrete, woraus auch der helle Klang zu erklären sei, 
was ganz mit der Helmholtz’schen Theorie von der Stärke der Ober 
töne gegenüber dem Grundtone übereinstimmt. Schröter beachtete 
ebenfalls genau die Art und Weise des Anschlags hei Anhörung des
	        
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