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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

Section I. Tasteninstrumente. 579 
Warum gerade dieses Material in der Praxis sich als das vorzüg 
lichste Resonanzmittel behauptete, darüber ist noch immer eine wissen 
schaftlich correcte Erklärung nicht gegeben worden. Es ist bekannt, 
dass die Lage der Holzfasern im Resonanzboden, sowie das System der 
Rippenlage (d. h. der Leisten, welche unter oder über demselben sich 
befinden) und deren Formen auf die verschiedenartigste Weise ange 
wendet worden sind. Alle darin nur erdenkbaren Richtungen und 
Lagen haben ihre Vertreter gefunden, und zwar ohne bedeutende 
Unterschiede im Resultate. Ferner ist es eine bekannte Thatsache, 
dass die Schönheit und Grösse des Tones bei einem Instrumente ganz 
wesentlich von dem Resonanzboden abhängt, und zwar von seiner 
Eigenschaft, gegen die empfangenen Vibrationen der Saiten mittelst 
einer eigenthümlichen Molecularbewegung seiner kleinsten inneren 
Fasern zu reagiren. Dieser letztere Process erst setzt, wie bereits 
bemerkt, die den Resonanzboden umgebende Luft in jene Bewegung, 
welche dem Ohre als Tonerscheinung wahrnehmbar wird. Die mehr 
oder minder grosse Pressung dieser einzelnen Theilchen des Resonanz 
bodens gegen einander bedingt die Kraft, aber auch die Empfindlich 
keit desselben. Hiervon hängt die Gesangsfähigkeit eines Instrumentes 
wesentlich ab, wenn man erwägt, wie schnell diese natürliche Pressung 
und Spannung des Resonanzbodens, trotz Anwendung des besten 
trocknen Holzes, verloren geht, nicht allein durch abwechselnde Feuch 
tigkeit und Trockenheit, sondern auch durch den Gebrauch der Instru 
mente. Anhaltende feuchte Luft löst nach und nach die ätherischen 
Oele, verflüchtigt dieselben und treibt die Holzzellen auf, gegen und 
über einander, wodurch bei Eintritt von trockner Luft deren vor 
malige Pressung und Stütze gegen einander gemindert wird. Aehnliche 
Wirkung hat im Laufe der Zeit die sich stets wiederholende Erschütte 
rung des Resonanzbodens durch den Gebrauch des Instrumentes, wo 
durch die Erscheinung vollkommen begreiflich wird, dass ein neues 
Piano stets frischer und mächtiger klingt als ein gebrauchtes, seihst 
wenn letzteres mit ganz neuer Mechanik versehen ist. Ferner ist zu 
erwägen, dass es geradezu unmöglich ist, den richtigen Grad dieser 
Pressung zu bestimmen mit Kräften, über die man keine regulirende 
Gewalt hat. Neben der Wirkung von Feuchtigkeit und Trockenheit 
bei Anfertigung des Resonanzbodens war es hauptsächlich die Gewalt 
des Saitenzuges und das dadurch entstehende mehr oder mindere Zu 
sammenziehen des Körpers, mit dessen Rändern der Resonanzboden 
fest verbunden ist, welches dem letzteren etwas Pressung gab. Hatten 
z. B. Instrumente so starke Eisenrahmen, dass durchaus keine Elasti- 
cität für jene, dem Resonanzboden nöthige Pressung blieb, so war jedes 
mal ein schwacher, matter Ton die Folge. Die am 5. Juni 1866 paten- 
tirten Verbesserungen wurden von der Firma Steinway & Söhne 
zuerst an einem Pianino oder „aufrechten Piano“ angewendet. Dieses 
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