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Full text : Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

Section  I.  Tasteninstrumente.

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England,  Amerika  und  Frankreich  deutscher  Abkunft  waren  und  endlich ­
  an  der  Tonkunst  selbst  das  deutsche  Element  fort  und  fort  die
Herrschaft  behauptet,  so  ist  es  auch  ganz  naturgemäss,  dass  deutsche
Pianofortebaumeister  als  hervorragende  Repräsentanten  ihres  Faches
erscheinen  und  auf  solider  Basis  das  Werk  des  Pianofortebaues  mit
Intelligenz  weiterzuführen  suchen.  Dies  bewies  die  Wiener  Weltausstellung ­
  1873  in  schlagender  Weise;  ebenso  zeigte  dieselbe  aber  auch,
dass  neben  dem  Pianofortebau  der

Orgelbau
in  Deutschland  zum  höchsten  Ziele  gelangt  ist  und  hier  im  Vergleich
zu  anderen  Ländern  die  beste  Pflege  findet.
Die  Orgel  nimmt  in  der  Geschichte  der  Tonkunst  eine  ausserordentlich ­
  bedeutsame  Stellung  ein  ;  denn  jedenfalls  diente  sie  schon
in  ihren  schwächsten  Anfängen  zur  Hebung  der  Cultur  und  zur  religiösen ­
  Bildung  der  Nationen.
Die  Magrepha  zu  David’s  Zeiten  im  Tempel  zu  Jerusalem,  welche
der  Talmud  ausführlich  als  ein  schon  zusammengesetztes  Pfeifenwerk
beschreibt,  die  von  Hero  in  Wort  und  Bild 1 )  entwickelte  Wasserorgel
des  Ktesibius  (150  Jahr  v.  Chr.),  die  in  der  ersten  christlichen  Zeit
bekannten  und  von  Tertullian  als  Erfindung  des  Archimedes
bezeichneten  Wasserorgeln,  von  welchen  der  genannte  Kirchenvater
im  3.  Jahrhundert  mit  Enthusiasmus  sagt:  „Sieh  das  wunderbare
Geschenk  des  Archimedes!  Ich  meine  die  Wasserorgel,  in  welcher  so
viele  Glieder,  einzelne  Theile,  Zusammensetzungen,  Stimm-  und  Tongänge, ­
  Tonarten  und  Pfeifenreihen  so  vereinigt  sind,  dass  alles  gleichsam ­
  nur  ein  Werk  ist.  Der  Wind,  welcher  durch  den  Druck  des  Wassers ­
  getrieben  wird,  theilt  seine  Dienste;  er  ist  in  seinem  Wesen  zwar
ein  Ganzes,  in  der  Wirkung  aber  verschieden“  2 ).  Ferner  das  alte
Orgelwerk,  welches  Pipin  756  vom  byzantinischen  Kaiser  Constantin
  Kopronymus  erhielt  und  in  der  Kirche  zu  Compiegne  aufstellen
liess,  sodann  die  nach  dem  Muster  derselben  auf  Befehl  Kaiser  Karl  s
des  Grossen  in  Aachen  errichtete  Orgel  812  und  der  im  10.  Jahihundert
  zu  Winchester  vom  Bischof  Alfey  angeordnete  Bau  der  für
damalige  Zeit  grossen  Orgel,  welche  400  Pfeifen  aufwies,  von  zwei
Organisten  wegen  der  handbreiten  grossen  Tasten  zu  gleicher  Zeit
gespielt  wurde  und  aus  26,  von  70  rüstigen  Männern  getretenen  Bäli)
  Abbildungen  von  der  alten  Wind-  und  Wasserorgel  nach  einem  Manuscript
  des  Hero  auf  der  Leipziger  Stadtbibliothek  befinden  sich  in  meiner
bereits  genannten  Geschichte  des  Claviers.  —  2 )  Diese  Stelle  ist  auch  schon
von  Zamminer  angeführt  worden.
            
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