Section I. Tasteninstrumente.
583
England, Amerika und Frankreich deutscher Abkunft waren und endlich
an der Tonkunst selbst das deutsche Element fort und fort die
Herrschaft behauptet, so ist es auch ganz naturgemäss, dass deutsche
Pianofortebaumeister als hervorragende Repräsentanten ihres Faches
erscheinen und auf solider Basis das Werk des Pianofortebaues mit
Intelligenz weiterzuführen suchen. Dies bewies die Wiener Weltausstellung
1873 in schlagender Weise; ebenso zeigte dieselbe aber auch,
dass neben dem Pianofortebau der
Orgelbau
in Deutschland zum höchsten Ziele gelangt ist und hier im Vergleich
zu anderen Ländern die beste Pflege findet.
Die Orgel nimmt in der Geschichte der Tonkunst eine ausserordentlich
bedeutsame Stellung ein ; denn jedenfalls diente sie schon
in ihren schwächsten Anfängen zur Hebung der Cultur und zur religiösen
Bildung der Nationen.
Die Magrepha zu David’s Zeiten im Tempel zu Jerusalem, welche
der Talmud ausführlich als ein schon zusammengesetztes Pfeifenwerk
beschreibt, die von Hero in Wort und Bild 1 ) entwickelte Wasserorgel
des Ktesibius (150 Jahr v. Chr.), die in der ersten christlichen Zeit
bekannten und von Tertullian als Erfindung des Archimedes
bezeichneten Wasserorgeln, von welchen der genannte Kirchenvater
im 3. Jahrhundert mit Enthusiasmus sagt: „Sieh das wunderbare
Geschenk des Archimedes! Ich meine die Wasserorgel, in welcher so
viele Glieder, einzelne Theile, Zusammensetzungen, Stimm- und Tongänge,
Tonarten und Pfeifenreihen so vereinigt sind, dass alles gleichsam
nur ein Werk ist. Der Wind, welcher durch den Druck des Wassers
getrieben wird, theilt seine Dienste; er ist in seinem Wesen zwar
ein Ganzes, in der Wirkung aber verschieden“ 2 ). Ferner das alte
Orgelwerk, welches Pipin 756 vom byzantinischen Kaiser Constantin
Kopronymus erhielt und in der Kirche zu Compiegne aufstellen
liess, sodann die nach dem Muster derselben auf Befehl Kaiser Karl s
des Grossen in Aachen errichtete Orgel 812 und der im 10. Jahihundert
zu Winchester vom Bischof Alfey angeordnete Bau der für
damalige Zeit grossen Orgel, welche 400 Pfeifen aufwies, von zwei
Organisten wegen der handbreiten grossen Tasten zu gleicher Zeit
gespielt wurde und aus 26, von 70 rüstigen Männern getretenen Bäli)
Abbildungen von der alten Wind- und Wasserorgel nach einem Manuscript
des Hero auf der Leipziger Stadtbibliothek befinden sich in meiner
bereits genannten Geschichte des Claviers. — 2 ) Diese Stelle ist auch schon
von Zamminer angeführt worden.