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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

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Gruppe XY. Musikalische Instrumente. 
gen den Wind zugeführt erhielt: alle diese historischen Denkmäler 
beweisen sicher, dass in der vorchristlichen Zeit und im früheren 
Mittelalter der Orgelbau schon eine grosse Rolle spielte, ohne jedoch 
zu kunstmässiger Entfaltung zu gelangen, die erst nach der Pedal 
erfindung im 15. Jahrhundert beginnt. Die geschickte Pedalverwerthung 
Bernhardt s des Deutschen, welcher für den Pedalerfinder 
gehalten wird, mag nicht wenig zur Verbesserung der so wichtigen 
Einrichtung an Orgelinstrumenten beigetragen haben. 
Yom 15. Jahrhundert ab ist auch überhaupt eine grössere Kennt- 
niss der Windführung bemerkbar. 
Zur Sonderung der Stimmen gab man zuerst jeder Pfeifenreihe, 
wie sie quer gegen die Richtung der Tasten geordnet war, Ventile, 
welche durch einen Zug geöffnet werden konnten, beim Abziehen aber 
durch Federdruck zurücksprangen und sich schlossen, weshalb man 
diese Vorrichtung „Springlade“ nannte, deren Einrichtung im Orgel 
bau jetzt noch ungemein wichtig ist. Um aber den Wind wirklich 
bis zu den Pfeifen zu führen, musste erst durch den Niederdruck der 
Taste ein jeder Pfeife besonders zugehöriges Ventil geöffnet werden. 
Der Organist war nun im Stande, verschiedene Pfeifenreihen nach 
Belieben beim Spiel mitwirken zu lassen oder nicht und man nannte 
jede solche Pfeifenreihe ein „Register“, die Vorrichtungen für Oeffnung 
und Schliessung derselben aber „Registerzüge“. Eine einfachere Ein 
richtung erfanden Deutsche, welche an Stelle der „Springladen“ die 
sogenannten „Schleifladen“ setzten. Im Wesentlichen bestehen diesel- 
) Ueber Bernhard den Deutschen schreibt Marens Antonius coo- 
cius Sabellicus in operib. omn. Tom. II, Enneade X, libr. VIII, pag. 999, ed. 
Basel 1560 (de tempore Sixti IV, Pontificis circa annum 1471): Musicae artis 
virum omnium, qui unquam fuerunt, sine controversia praestantissimum pln- 
res annos venetiae habuerunt Bernhard um, cognomento Theutonem, ar- 
gumento gentis, inqua ortus esset, omnia musicae artis instrumenta scientis- 
sime tractavit, primus in Organis auxit numeros ut et pedes 
quoque juvarent concentum funiculorum attractu etc Nach 
dieser Zeit wurden auch bald mehrere Pedalorgeln gebaut, z. B. 1475 zu 
Nürnberg in der Barfüsser Kirche, als deren Erbauer Konrad Kothen 
burger, ein Bäckerssohn aus Nürnberg, genannt wird, welcher 1493 in der 
Domkirche zu Bamberg eine noch grössere aufstellte. 1483 wurde von Ste 
phan aus Breslau in der. Domkirche zu Erfurt ein grosses Orgelwerk er 
richtet und 1499 erbauete Heinrich Kranz die grosse Orgel für die Stifts 
kirche St. Blasii zu Braunschweig. Im sechszehnten Jahrhundert verschwin 
den die unbeholfenen Tastaturen und die Windfühmng wird bei weitem 
vollkommener. 1576 wurde zu Bernau in der Mark eine bedeutende Orgel 
verfertigt und derselbe Erbauer, Hans Scherer, errichtete 1580 zu Stendal 
ein Werk, welches auf dem Manualelavier 48 und in dem Pedal 26 Claves 
„sammt allerhand damals erfunden gewesenen offenen und gedeckten Stim 
men, wie auch etlichen Zungen werken hatte“. Zur besseren Mechanik und 
Behandlung trug auch wesentlich das temperirte Tonsystem bei, welches 
Andreas Werkmeister begründete und zum Orgelbau besonders’empfahl.
	        
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