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Gruppe XV. Musikalische Instrumente.
Irmler, Wankel & Temmler in Leipzig bedauernswerth. Dennoch
behaupteten von den 128 Pianoforteinstrumenten einige die hervor
ragendste Stellung in dem erwähnten Fache. Mehr als die Hälfte die
ser Instrumente zeigten den Einfluss der Pariser Ausstellung vom Jahre
1867' und erwiesen sich als Prodncte, welche aus der Kenntniss der
neuesten Systeme hervorgegangen waren. Leipzig, Stuttgart, Berlin
ragten besonders durch ihre Fabrikate hervor und erwarben sich die
höchste Anerkennung aller Sachverständigen. Bedeutsam war nament
lich auch die Erscheinung, dass Deutschland sich vorzugsweise der
dauerhaften Mechaniken aus neuester Zeit bedient, wogegen Oesterreich
noch vielfach die alte Wiener Mechanik, die bereits zu Anfang des
19. Jahrhunderts gebraucht wurde, in Anwendung bringt. Das Ver
fahren der kleineren Fabrikanten Oesterreichs, welche mit Vorliebe
an dieser alten Wiener Mechanik hängen, hat vom künstlerischen Stand
punkte aus keine Berechtigung, dennoch ist dasselbe nicht tadelnswerth,
weil in Folge der enormen Billigkeit auch den ärmeren Volksclassen
Gelegenheit geboten wird, in ihren Familien die Claviermusik einzu
bürgern. Die Flügelform scheint jedenfalls in Oesterreich am meisten
cultivirt zu werden. Denn von 96 ausgestellten Instrumenten waren,
wie die obige Aufstellung zeigt, 56 grosse Flügel, 28 Stutzflügel und
12 Pianinos vorhanden, während Deutschland von 128 Instrumenten
nur 35 Flügel und 2 tafelförmige Pianofortes, aber 91 Pifyainos zum
Wettkampf dargeboten hatte. Wollte man nun zwischen der Güte
eines gelungenen kreuzsaitigen Pianinos mit englischer Mechanik und
derjenigen eines gutgearteten kreuzsaitigen Flügels mit Wiener Mecha
nik einen strengen Vergleich ziehen, so möchte doch wohl nach genauer
akustischer Probe dem Flügel der Vorzug zu gönnen sein, weil nach
weisbar die ganze Bauart des Flügels den Tonschwingungen und ihrer
Ueberleitung an die Luft bei Weitem günstiger ist, als die Form des
Pianinos. Nur Rücksichten auf Zimmerräumlichkeiten haben überhaupt
der Pianinoform, welche aus dem alten Clavicitherium entstanden ist,
Eingang in die Familien verschafft und auch die Kunst gebraucht sie,
z. B. im Orchester, nur als Nothbehelf und in Ermangelung eines geeig
neten Raumes zur Aufstellung eines Flügels. Dass aber Deutschland
nicht allein mehr Pianinos sondern auch mehr Flügel producirt als alle
übrigen europäischen Länder, kann nach den angestellten Erörterungen
gar keinem Zweifel unterliegen. Desgleichen hat, wie bereits erwähnt,
der Orgelbau jetzt in Deutschland die beiden ausgezeichnetsten Ver
treter, Walker in Ludwigsburg und Ladegast in Weissenfels, gleich
wie die Firma J. & P. Schiedmayer in Stuttgart, auch durch aus
gezeichnete Flügelfabrikation berühmt, im Bau von Harmoniums keine
Rivalität mehr besitzt. Ihre Instrumente dieser Gattung überragen
weit die Fabrikate aller anderen Instrumentenbairer und sind daher
selbst von Helmholtz zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt worden.