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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

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Section I. Tasteninstrumente. 
weniger starkes Abdämpfen oder Einbringen der Zungen, in vollkomme 
ner Weise zu bewirken. 
Nachdem dieses Verfahren in der That sich ausgezeichnet bewährt 
hatte und für die Verbreitung des Harmoniums das so ausserordentlich 
wichtige Resultat glücklich erzielt war, sollte einem weiteren Mangel 
gesteuert werden, welcher darin bestand, dass der Ton im Bass den 
Discant übertönte und der zu erzielende Effect, ein deutlicheres Her 
vortreten der Melodie, häufig verloren ging, selbst wenn die Discant- 
region mittelst der in derselben Tonlage sich befindenden Register 
verstärkt wurde. 
Der Vermittelung des Herrn William Dawes (Civilingenieur) in 
Leeds (England) ist es zu verdanken, dass eine eigens dazu construirte 
Mechanik zur Anwendung gebracht wurde, welche nach manchen mühe 
vollen und oft vergeblichen Versuchen schliesslich zu dem Ziele führte, 
den vorerwähnten Umstand gänzlich zu beseitigen. Diese Aufgabe hat 
darin ihre Lösung gefunden, dass man dem Harmonium ein weiteres 
Register (Melodie genannt), bestehend in einer dem Acht-Fuss-Ton ent 
sprechenden Zungenreihe von 5 Octaven beifügt, die im Discant den 
obersten und im Bass den niedrigsten Ton zur Ansprache kommen lässt 
und die übrigen stumm macht. Mit Beiziehung eines Registers oder 
mehrerer Register erhält der obere und untere Ton doppelte Kraft 
und wird dadurch das Hervortreten der Melodie und deren Deutlich 
keit im Discant wie im Bass bei überraschender Tragweite des Klan 
ges aufs Vollständigste erreicht. Durch diese wirklich genialen Erfin 
dungen und Verbesserungen der Herren J. & P. Schiedmayer ist das 
Harmonium auf eine so hohe Stufe der Vollendung gekommen, dass 
ihm neben der Orgel und dem Pianoforte gern ein Platz eingeräumt 
werden darf, zumal es für wissenschaftliche Untersuchungen so günstig 
construirt ist. 
Durch das in der Harmoniumfabrikation erzielte Resultat ermuthigt 
haben die Herren J. & P. Schiedmayer auf ihre vielseitig in der 
Instrumentenfabrikation geschöpften Erfahrungen gestützt im Jahre 
1860 die Anfertigung von Pianos und Flügeln eingeleitet. AlsSpecia- 
lität in dieser Branche ist die erste Einführung in Deutschland der 
nach amerikanischem System gebaueten 1 lügel und Pianinos mit über 
liegenden Basssaiten, Compression etc. vorzugsweise zu erwähnen, letz 
tere mit massivem eisernen Gussstück und zusammen hängender Rück 
wand und Vorderplatte, welche einen überaus schönen gleichmässigen, 
klangreichen Ton von ausserordentlicher Länge und Gesangsfähigkeit 
bieten, dabei auch dauerhafte Stimmung besitzen, daher einen wesent 
lichen Fortschritt im Pianofortebau Süddeutschlands kennzeichnen. 
Gewiss muss von jedem Techniker anerkannt werden, dasslnstru-
	        
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