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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

594 Gruppe XV. Musikalische Instrumente. 
drei Arbeiter beschäftigte. Bald erregten seine Flügel die Aufmerk 
samkeit der Kenner und Pianisten, weil sich ihr Ton vor dem vieler 
Instrumente von älteren Fabriken vortheilhaft auszeichnete. Nachdem 
Blüthner seine treffliche Bepetitionsmechanik im Jahre 1856 einge 
führt und auf dieselbe ein Patent genommen hatte, bedienten sich auch 
die namhaftesten Virtuosen seiner Instrumente, welche Thatsache z. B. 
die Berichte über verschiedene Tonkünstlerversammlungen bezeugen. 
Auch eine neue Form, die sogenannte sym metrische, erfand der Meister 
für grosse Concertflügel, welche in solcher Gestalt mit auf beiden Seiten 
geschweiften Wänden im Concertsaale sogar bei dem grossen Pädagogen 
und Altmeister M o s c h e 1 e s, der eigentlich die E r a r d ’ sehen Instrumente 
allen anderen vorzog, die höchste Anerkennung fanden. Durch die 
grossen Erfolge in seinen Bestrebungen unterstützt erweiterte Julius 
Blüthner seine Fabrik von Jahr zu Jahr, niemals versäumte derselbe 
auch die Ausstellungen zu beschicken und immer gelang ihm die Er 
reichung von hohen Preisen. Auf der Pariser Weltausstellung 1867 
erhielt er auf einen trefflichen, symmetrischen Flügel die silberne Medaille 
und auf anderen Ausstellungen, z.B. in Chemnitz 1867, in Cassel 1870, 
wurde ihm der höchste Preis zu Theil. In Folge seines Fleisses, seiner 
Intelligenz und seines regen Erfindungsgeistes erweiterten sich die 
Verhältnisse seiner Fabrik mit rapider Schnelligkeit und jetzt, nach 
21 Jahren des Bestehens, ist dieselbe unbestreitbar das erste und best 
eingerichtete Etablissement dieser Art in Europa. Schon im Jahre 1864 
kam zu den alten Räumen ein neues Fabrikgebäude, in welchem 100 
Arbeiter Aufnahme fanden. 1870, 1872/73 wurden die zweite und dritte 
Fabrik im Anschluss an die erste erbaut, in deren Räumen sich auch 
ein schöner Concertsaal zu Kammermusik und Choraufführungen be 
findet. 
Der Platz, auf welchem die Fabrikgebäude stehen, hat 10 800 qm 
Flächeninhalt. Nur allein der Holzspeicher ist 44 m lang, 9‘1 m breit 
und drei Stock hoch, in ihm und auf dem Holzhofe befindet sich ein 
Holzvorrath für circa 10 000 Instrumente. Die Räume zum Aus 
trocknen des Holzes durch Dampf fassen das Material für 800 Instru 
mente, wobei die Temperatur immer auf 40 bis 50 Grad Wärme gehal 
ten wird. 420 Arbeiter sind in der Fabrik thätig und die mächtigen 
Maschinen, welche nach den neuesten Systemen eingerichtet sind, er 
setzen wenigstens 300 bis 400 Arbeiter. 
Das Etablissement ist eingetheilt in 80 Arbeitssäle, 3 Magazine 
für Materialverwaltung, 4 grosse Säle zur Aufbewahrung der im Bau 
begriffenen Instrumente, 6 Säle zur Aufstellung der fertigen Instru 
mente. 80 bis 100 Instrumente stehen immer für die Ausarbeiter und 
Stimmer zur Fertigmachung bereit, weil jährlich circa 800 Flügel und 
1000 Pianincs verkauft werden. In Thätigkeit sind zugleich ein In 
spector und 18 Werkführer, welche von dem Besitzer direct jeden Tag
	        
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