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Gruppe XV. Musikalische Instrumente.
über deren Bedeutung bereits früher gesprochen wurde. Zunächst
baute er im Jahre 1842 eine nach dem neuen System eingerichtete
kleine Orgel von 12 Registern, welche eine Landkirche in Esthland
erhielt. Nachdem er durch dieses System den Ruf seines Geschäftes
wieder erhöht hatte, nahm er seinen besten Mitarbeiter und die beiden
ältesten, zum Orgelbaufache erzogenen Söhne in das Geschäft und gab
der Firma die Bezeichnung „E. F. Walcker & Co.“. Der di'itte Sohn
trat erst nach dem 1872 erfolgten Tode des Gründers in das Geschäft
ein und zwei jüngere Brüder tragen jetzt ebenfalls durch ihre Thätig-
keit nicht wenig zur ausgezeichneten Leistungskraft der vom Vater
so hoch emporgehobenen Firma bei, welche in der ganzen Welt als
die hervorragendste in beregtem Fache zu gelten berechtigt ist. Nicht
allein in den verschiedenen europäischen Staaten, sondern auch in
Asien, Amerika, Australien giebt es vollendete Werke Walcker’s,
welche als gewichtige Zeugen für die grossartige Productionskraft der
Firma anzusehen sind. Als imposanteste Schöpfungen sind wohl jeden
falls die im Jahre 1856 erbaute mächtige Orgel im Münster zu Ulm
mit 100 Stimmen und die 1863 vollendete Orgel mit 86 Stimmen in
der Musikhalle zu Boston anzuführen. Schon seit dem Jahre 1838, wo
Walcker 20 nach Classen eingetheilte Arbeiter beschäftigte, ist eine
neue Epoche der Orgelbaukunst zu verzeichnen, denn in jener Zeit
stützte sich der Meister bereits auf viele eigene Erfindungen, wenn
auch die wichtigste erst im Jahre 1842, wie früher bemerkt, für die
ganze Windführung ein neues System herstellte. Schon damals aber
hatte er das Regierwerk wesentlich vereinfacht und zwar derge
stalt, dass, wo in demselben Frictionen unvermeidlich sind, wie z. B.
bei Wellaturen, sich die Stahlstifte in Messingbüchsen bewegten. Seine
Windladen wurden schon 1838 nicht mehr verspundet, sondern mit
eingekerbten Firndamentbrettern sowohl unten als oben verschlossen;
die Ventile öffneten sich seitwärts und anstatt der ledernen Pulpeten
bewegten sich die Zugdrähte in wohl eingepassten messingenen Platten,
was für den Spieler das Tractament, selbst bei grossen Werken, leicht
und angenehm machte. Die von Walcker herrührenden Constructionen
der Traversflöte, Clarinette, Hoboe, der Harmonika von Holz, der kräftig
wirkenden 32füssigen Bässe, der Crescendofusstritte, vor allem aber
die wunderbar schöne Intonation der Stimmen sind auch heutzutage
noch als Muster in der Orgelbaukunst anzusehen.
Selbstverständlich hat sich seit jener Zeit, wo der Ruhm des Mei
sters erst im Entstehen war, das Geschäft ausserordentlich erweitert
und namentlich ist durch Anwendung von Dampfkraft die Leistungs
fähigkeit ungemein gesteigert worden. Hierzu kommt die richtige Ein-
theilung der Arbeitskräfte, welche sich mit Herstellung der Materialien
in der Weise beschäftigen, dass Orgelbauer, Bildhauer, Mechaniker,
Zinnarbeiter, Schlosser, Tischler je für sich die einzelnen Bestandtheile