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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

Section I. Tasteninstrumente. 
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Ausstellung wurde das Verliältniss zwischen Ehrbar und Bösendorfer 
getrennt, weil die unter jener Firma zusammengetretene Actiengesell- 
schaft sich vollständig auflöste. Beide Meister aber, Ehrbar und 
Bösendorfer, haben sich besondere Verdienste um die Pianoforte 
industrie Oesterreichs erworben und stehen daher in Wien mit Recht 
in hohem Ansehen. Herr Ehrbar, einer der theoretisch gebildetsten 
und tüchtigsten Meister seines Faches in der österreichischen Haupt 
stadt, wurde Besitzer der renommirten Fabrik von Seuffert, welche 
in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts neben Streicher ihren Platz 
ehrenvoll behauptete. Besonders interessant waren die Kämpfe, welche 
die Firma Seuffert mit der gleichzeitig bestehenden Firma Wachtl 
& Bleyers führte. DenHöhepunkt erreichte der Streit im Jahre 1811, 
wo letztgenannte Firma in einem geharnischten Artikel vor das Publi 
cum trat und nachzuweisen suchte, dass Seuffert die Erfindungen von 
Wachtl & Bleyers nachahme und ungerechtfertigterweise auf jedes 
Instrumentenschild schreibe: „Erfunden von Martin Seuffert.“ 
Unleugbar überragte aber die S euffert’sche Fabrik die meisten öster 
reichischen Etablissements gleicher Art; sie drang auf dem theilweise 
noch ungeebneten Boden der Instrumentenbaukunst immer weiter vor 
und suchte namentlich die akustischen Forschungen Chladny’s prak 
tisch zu verwerthen. Der würdige Nachfolger des früheren Besitzers 
Seuffert ist nun Ehrbar, dessen Leistungen von den sorgsamsten 
Studien und eingehendster Erfahrung rühmendes Zeugniss ablegen. 
In neuester Zeit verband sich dieser strebsame, stets dem Fortschritt 
huldigende Meister, welcher mit seinen fachmännischen Kenntnissen 
als Expert der Jury kräftig zur Seite stand und dieselbe bei ihren 
Untersuchungen in dankenswerthester Weise ganz wesentlich unterstützte, 
mit dem Pester Clavierfabrikanten L. Beregszaszy zur Herstellung 
von Flügeln, deren Resonanzboden nach Art der Violinresonanzboden- 
form gewölbt war. Diese Erfindung des ungarischen Pianofortefabri 
kanten ist weiterhin näher angegeben; sie war aber hier besonders 
anzuführen, weil die beiden Instrumente, welche Ehrbar in solcher 
'Construction hergestellt hatte, in Folge ihres schönen Tones und ihrer 
grossen Ausgiebigkeit, unbedingt die Aufmerksamkeit des Hörers 
in hohem Grade in Anspruch nahmen und hinsichtlich ihrer Güte den 
Nachweis lieferten, dass Ehrbar das von Beregszaszy erfundene 
System in der besten Weise zu verwerthen verstand. Selbstverständ 
lich wäre in Anbetracht dieser ganz neuen, äusserst beachtenswerthen 
Flügelform Herrn Ehrbar gewiss das Ehrendiplom zuerkannt worden, 
gleichwie auch Herr Bösendorfer, der damalige Associe Ehrbar’s, 
diese höchste Auszeichnung sicherlich erworben haben würde, wenn 
die Firma Ehrbar & Bösendorfer am Wettstreite hätte theiluehmen 
dürfen; denn Bösendorfer’s Fabrik, welche im Jahre 1828 sich aus 
den schwächsten Anfängen zu entwickeln begann , ist jetzt weitaus die
	        
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