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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

Sectioxi I. Tasteninstrumente. 609 
von dem Erfinder und Begründer des neuen Gegenstandes in beiden 
Schulwerken über das Kunstpedalspiel dargelegt sind. 
An die Stelle des alten einfachen Clavierpedales tritt ein neuer 
kunstvoll ausgearbeiteter Mechanismus, welcher gleichwohl sich äusser- 
lich ganz einfach darstellt und dem Spieler nur vier Pedaltritte bietet, 
die so eigenthümlich geformt und nahe neben einander gestellt sind, 
dass die Füsse, welche auf einem zweckmässig gebildeten und zur ge 
nauesten Regulirung eingerichteten Trittbrett wie in einem Rahmen 
stehen, ihre ruhigen Bewegungen mit der grössten Sicherheit ausführen 
und je nach Bedürfhiss sich gegenseitig unterstützen und ablösen kön 
nen. Vermittelst der vier Pedaltritte wird das ganze Werk regiert, 
welches sämmtliche in acht grössere und kleinere Gruppen getheilte 
Dämpfer so in die Gewalt des Spielers giebt, dass er über diese Grup 
pen mit der grössten Freiheit gebieten und dieselben in einer fast 
unumschränkten Weise mit einander verbinden, von einander trennen 
und in mannigfachste Wechselbeziehungen bringen, mit einem 
Wort ihnen in raschester Aufeinanderfolge jede beliebige .Stellung und 
Bewegung geben kann. Die Dämpfung ist so eingerichtet, dass in der 
Tiefe und in der Höhe grössere in den mittleren Tonlagen lauter kleine 
Gruppen von je fünf Dämpfern gebildet sind: 
A ä — E,F — H,c — e, f— a, b — d 1 , es 1 — g 1 , as 1 — c 2 , cis 2 — e 3 . 
Es hängt also ganz von dem Willen des Spielers ab, im leichtesten 
Wechsel und zu gleicher Zeit an verschiedenen Stellen kleinere oder 
grössere Tonfelder zu öffnen oder zu schliessen, das heisst also, eine 
grössere oder geringere Zahl von Dämpfern von den Saiten zu entfer 
nen oder an dieselben zurückzuführen, und es muss jedem Denkenden 
sofort einleuchten, dass hierdurch für die musikalische Darstellung ein 
Reichthum von Mitteln geboten wird, der bei rechter Verwendung die 
glänzendsten Resultate zur Folge hat. 
Was die Bewegung der vier Pedaltritte betrifft, so ist dieselbe 
eine ganz eigenthümliche. Die Tritte werden nämlich mit der Fuss- 
spitze ebensowohl aufwärts als abwärts geführt, so dass jeder Tritt 
zunächst eine doppelte Bewegung hat: nach oben und nach unten. 
Die normale Stellung der Fussspitzen ist auf dem Trittbrett dicht unter 
den Pedalen, da die Bewegung der letzteren von unten nach oben als 
die bequemste und geläufigste für den Spieler erscheint. Zu diesem 
Zwecke sind auch die Pedale an ihrer unteren Fläche gepolstert. 
Nimmt man nun an, dass jedes Pedal nach zwei verschiedenen 
Richtungen hin bewegt werden kann, dass die Fussspitze ein einzelnes 
Pedal und ebenso leicht auch zwei benachbarte Pedale (als ein Ganzes) 
zu fassen vermag, und dass namentlich eine gleichzeitige Thätigkeit 
beider Füsse hier am Platze ist: so erhellt schon hieraus, wie die Zahl 
der in Bezug auf die Dämpfergruppen zu erzeugenden verschiedenen 
Wiener Weltausstellung. II. 39
	        
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