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Gruppe XV. Musikalische Instrumente.
sicht der Jury weit vollkommneren der russischen Aussteller Schröder,
Seidler & Co. gleichgestellt werden.
In Anbetracht dessen jedoch, dass die Firma J. Becker eine
bedeutende historische Vergangenheit aufweisen kann, hat die
Gruppe XV., obgleich sie in beregter Sache dem Ausspruche und dem
Urtheile der Section I. das vollste Vertrauen schenkte, beschlossen,
der Finna J. Becker eine Verdienstmedaille zuzuerkennen.
England, welchem die Pianofortebaukunst früher viel zu ver
danken hatte, war schwach vertreten. Man beschloss folgende Aus
zeichnungen :
a. Die Fortschrittsmedaille für
Kirkmann in London (Pianos): einen Concertflügel, zwei Salon
flügel, einen Stutzflügel, vier Pianinos mit ziemlich gutem Tone aber
nicht feiner Mechanik; B. R. Whitehead zu London (Hammerfilz).
b. Die Verdienstmedaille: keine.
c. Das Anerkennungsdiplom für
Henry A. Ivory in London: drei Pianinos, unter welchen das
eine mit Stickereien verziert war.
Im Ganzen waren auf der Wiener Weltausstellung 164 Flügel,
164 Pianinos und 5 Tafelformpianos zu finden, wofür der Nachweis
schon früher gegeben ist. Nach Prof. Dr. II ans lick’s Berichten
und auf Grund meiner eigenen Erfahrungen ist zu constatiren, dass auf
den beiden grossen vorhergehenden Weltausstellungen die Zahl der
Flügel eine ganz bedeutend geringere war. Auf der Londoner Welt
ausstellung 1862 waren 67 Flügel, 150 Pianinos und 12 Tafelform
pianos, auf der Pariser Ausstellung 1867 76 Flügel, 152 Pianinos und
10 Tafelformpianos ausgestellt.
Schliesslich bleibt noch zu erwähnen, dass von dem Telegraphisten
F e h r in Stuttgart ein elektrochemischer Notenschreibapparat ausgestellt
war, welcher mit Anwendung des telegraphischen Systems ganz den
selben Zweck hatte wie die unzähligen Maschinen ähnlicher Art aus
früherer Zeit. Das Verfahren, freie Phantasien sofort in Strichen,
welche die Noten vertreten, festzuhalten, hat aber noch niemals Kunst
zwecken gedient. /(Vergl. meine Geschichte des Claviers.)