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MAK

Full text : Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

Section  II.  Streichinstrumente.  641
viel  als  möglich  den  bewährten  Mustern  der  alten  italienischen  Meister
in  Ton  und  Mache  näher  zu  bringen.  So  hat  denn  auch  die  von  der
zweiten  Section  durchgeführte  Prüfung  der  zur  Wiener  Weltausstellung ­
  gebrachten  Streichinstrumente,  bis  auf  zwei  nicht  sehr  wesentliche ­
  aber  immerhin  erwähnenswetthe  Modificationen  in  der  Armatur
der  Geige,  deren  weiterhin  gedacht  werden  soll,  keinerlei  Neuerung
vorgefunden;  denn  weder  der  von  dem  verstorbenen  Dr.  Liharzik
auf  mathematische  und  selbst  kabbalistische  Thesen  basirten  Geige,
noch  auch  dem  von  Italien  gesandten  Metallo  cordo  dürfte  von  irgend
Jemandem  eine  Lebensfähigkeit  beigemessen  werden.
Ulster  den  vorgewiesenen  Imitationen  gebührt  die  Palme  den  Instrumenten ­
  des  Herrn  Zach  zu  Wien,  die  in  Factur  und  Ton  den  imitirten
  Originalen  am  nächsten  kommen.  Seine  Violine  nach  Joseph
Guarnerio  zeichnet  sich  durch  gute  Wahl  des  verwendeten  Holzes
und  sorgfältige  Durchführung  der  Form,  sowie  durch  grossen  Ton  aus.
Herr  Zach  hat  an  einer  seiner  Geigen  den  Versuch  gemacht,  die  unteren ­
  Seitenenden  in  einer  neuen,  übrigens  bereits  von  Spohr  versuchten ­
  Art  an  dem  Saitenhalter  zu  befestigen,  indem  er,  anstatt  die  bisher ­
  üblichen  Einschnitte  anzubringen,  den  Säitenhalter  am  oberen
Ende  an  vier  der  Saitenlage  entsprechenden  Stellen  anbohrt,  die  Saiten ­
  durch  die  so  entstandenen  Röhrchen  hindurchführt  und  mittelst
Knüpfens  fest  macht.  Herr  Zach  -will  durch  diese  Modification  eine
erhöhte  Widerstandskraft  der  Saiten  und  eine  regelmässige  Vibration
derselben  erzielt  haben.  Da  die  physikalischen  Gesetze  dieser  Annahme
nicht  entgegen  sind,  so  mag  diese  Neuerung  eines  gewissen  Werthes
nicht  ermangeln.  Herrn  Zach  muss  überhaupt  eine  seltene  Strebsamkeit, ­
  verbunden  mit  einer  gründlichen  Kenntniss  seines  Faches,  nachgerühmt ­
  werden.  Kaum  minder  bedeutend  erscheint  Grimm  in  Berlin, ­
  dessen  Streichquartett  und  zwei  Geigen  in  schöner  Form  und  von
gutem  Holze  das  höchste  Lob  beanspruchen  dürften.  Eine  gleiche
Anerkennung  verdient  Sylvestre  aus  Lyon,  von  dem  der  Section  ein
von  ihm  gefertigtes  Streichquartett  vorgeführt  wurde.  Sein  Cello
überraschte  durch  den  Adel  und  die  Fülle  seines  Tones  und  die  tadellose ­
  Factur,  und  sowohl  Alto  als  Violine  standen  weder  in  der  einen
noch  in  der  anderen  Beziehung  im  Geringsten  nach.
Die  Leistungen  Gabr.  Lemböck’s  aus  Wien  sind  von  früheren
Ausstellungen  her  in  gutem  Andenken;  seine  diesmal  exponirten  Instrumente ­
  weisen  eine  Vervollkommnung  in  der  äusseren  Factur  auf,  wodurch
die  für  ihn  beantragte  Airszeichnung  motivirt  erscheint.  Es  sei  hier
erlaubt,  dem  Bedauern  darüber  Ausdruck  zu  gehen,  dass  einige  sehr
rühmlich  bekannte  Firmen,  wie  Villau  me  in  Paris,  Bausch  in  Leipzig ­
  etc.,  von  der  Wiener  Weltausstellung  fern  geblieben  sind,  um  so
mehr,  als  deren  Erscheinen  ihrem  Lande  und  der  Kunst  sicherlich  zur
Ehre  gereicht  hätte.
Wiener  Weltausstellung.  II.

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