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Full text : Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

642  Gruppe  XV.  Musikalische  Instrumente.
Die  andere  Richtung  der  Instrumentenmacherkunst,  die  Instrumentenfabrikation, ­
  war  durch  eine  stattliche  Anzahl  ausstellendei  Firmen ­
  und  ausgestellter  Instrumente  vertreten  und  es  muss  mit  grosser
Refriedigung  erfüllen,  dass  die  Section  fast  allenthalben  einen  sehr  er
freulichen  Fortschritt  zu  constatiren  in  der  Lage  war.
Aus  Grasslitz  und  Schönbach  in  Böhmen,  aus  Mittenwalde  in
Bayern  und  Markneukirchen  in  Sachsen,  endlich  aus  Mirecourt  waren
Commerzinstrumente  da,  welche,  man  möchte  sagen,  an  Kunstwerth
den  dafür  geforderten  Preis  weit  übertreffen.  Kein  Kenner  oder  Kunstfreund ­
  wird  die  Tragweite  des  Strebens  der  betreffenden  Fabrikanten
unterschätzen;  consequent  und  mit  Ausdauer  fortgesetzt,  wird  hoffentlich ­
  bald  jene  Perfection  in  der  Verfertigung  billiger  Instrumente  erreicht
sein,  welche  dann  auch  den  wenigst  bemittelten  Musikern  die  Möglichkeit ­
  bietet,  ein  gutes  Instrument  zu  erwerben.  Von  welch’  wohlthätigem
  Einflüsse  dies  auf  die  Verallgemeinerung  und  Entwickelung  der
Kunst  sein  muss,  bedarf  keiner  Erläuterung  und  hier  ist  es  mehr  als
in  irgend  einer  anderen  Richtung  Pflicht  der  Jury  und  der  Kritik,
durch  Aufmunterung  zu  wirken  und  mit  der  Anerkennung  nicht  zurückzuhalten. ­

Unter  den  Fabrikanten  grossen  Stiles  sind  in  erster  Linie!  hibouville
  &  Co.  aus  Mirecourt  zu  nennen,  deren  Erzeugnisse  alle  nur
wünschenswerthe  Eigenschaften  vereinigen.  Man  findet  bei  ihnen  vortreffliches ­
  Material,  correcte  Ausführung  und  guten  Ton  bei  billigen
Preisen,  welche  bis  auf  5  Francs  für  eine  Violine  hinabreichen,  von
welch’  billiger  Sorte  jedoch  kein  Exemplar  der  Prüfung  unterzogen
werden  konnte,  weil  diese  Gattung  erst  später  eintreffen  sollte.
Herr  Thibouville,  der  persönlich  seinen  Geschäften  grosse  Aufmerksamkeit ­
  zuwendet,  hat  einen  neuartigen  Steg  erfunden,  welcher
sich  in  der  Form  von  der  seit  jeher  in  Anwendung  befindlichen  ganz
wesentlich  unterscheidet.  Sein  Steg  besteht  aus  drei  über  einander  ge
legten  kastagnettenförmigen  Ahornplättchen,  worauf  sich  das  undurchbrochene, ­
  entsprechend  niedrige  Stegbrettchen  erhebt.  Herr  Thibouville. ­
  behauptet,  dass  der  so  construirte  Steg  nicht  nur  zur  Verstärkung
des  Tones  diene,  sondern  überdies  schon  beim  neuen  Instrumente  die
Egalität  des  Tones  auf  allen  vier  Saiten  bewirke.  Die  mit  dem  so
raodificirten  Stege  angestellten  Versuche  ergaben  allerdings  kein  überzeugendes ­
  Resultat,  die  Section  enthielt  sich  jedoch  eines  endgültigen
Urtbeils  darüber,  nachdem  Herr  Thibouville  gleichzeitig  erklärte,
seine  Erfindung  sei  noch  nicht  ganz  complet.
Mit  der  Firma  Thibouville  &  Co.  auf  fast  gleicher  Höhe  erwies
sich  Heinr.  Th.  Ilelierlein  jun.  in  Markneukirchen,  dessen  Collection
von  imitirten  Geigen  nach  den  verschiedensten  Meistern  in  der  Mache
als  meist  gelungen  bezeichnet  werden  müssen  und  jedenfalls  mit  Rücksicht ­
  auf  den  billigen  Preis  sehr  lobenswerth  sind.
            
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