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Full text: Musikalische Instrumente, Wiener Weltausstellung Heft 12

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Section II. Streichinstrumente. 
Auf die rühmlichst bekannte Firma Neuner & Harmsteiner 
in Mittenwalde, durch eine Serie von Instrumenten vertreten, findet 
leider die im Eingänge dieses Berichtes erhobene Rüge Anwendung, 
da sich die Section wegen Mangels einer orientirenden Preisliste, die 
auch nach telegraphischer Aufforderung nicht producirt wurde, ausser 
Stande sah, ihren Verdiensten gerecht zu werden. 
Die letzte Zeit der Ausstellung benutzten einige Aussteller, um 
ihre von der Jury beurtheilten Instrumente mit echten alten italieni 
schen Instrumenten auszutauschen und auf diese Art eine Trohe ihrer 
Sammlungen zu zeigen. Die grösste Anzahl besitzt Herr David Bitt- 
ner und man sah in seinem Kasten folgende interessante Instrumente 
(Original!) ausgestellt: 
Violinen: von Maggini, Carlo Bergonzi, Amati, Guadag- 
ninl, Andreas Guarnerius, Antonius Stradivarius etc.; ferner 
zwei Violen von Maggini und Pietro Guarnerius und drei pracht 
volle Violoncelli von Pietro Guarnerius, Andreas Guarnerius 
und Antonius & Hieronymus Amati. 
Derselbe Geigenfabrikant David Bittner hatte unter seinen In 
strumenten auch eine von ihm verfertigte Viola d’amour ausgestellt, 
welche von Herrn J. Kr&l, Solisten der k. k. Ilofoperncapelle, vor der 
Jury gespielt grosses Interesse erregte. Die Viola d’amour unterschei 
det sich im Bau wesentlich von der Violine. Ihre Oberdecke ist ge 
wölbt, die Unterdecke flach, die Zargeneinbiegungen bilden zwei regel 
mässige Halbkreise und verlaufen nicht ausgeschweift und spitzig, wie 
hei der Violine. Die F-Löcher sind in ihrer Form den Resonanzein 
schnitten der alten Contrabässe, der Gamba und des Barytons ähnlich. 
Der Wirbelkasten, welcher bei der Violine in einen zierlichen Schnecken 
kopf verläuft, endet hier mit einem oft recht kunstvoll geschnitzten 
Amorkopf. Der Saitenhalter ist so geschnitten, dass die tieferen Sai 
ten eine längere Spannung haben. Sie ist mit sieben Darmsaiten und 
sieben Metallsaiten bezogen. Die Darmsaiten, von welchen die drei 
tiefsten mit Silberdraht übersponnen sind, werden ebenso, wie bei der 
Violine über den Steg und über das Griffbrett hin aufgezogen, die Me- 
tallsaiten sind unter dem Saitenhalter an Stiften befestigt und laufen 
von hier aus durch den Steg, welcher zu diesem Zwecke mit kleinen 
Löchern versehen ist, unter dem Griffbrett hin bis zu ihren Wirbeln. 
Die drei tiefsten Metallseiten sind ebenfalls mit feinem Drahte über- 
sponnen. Die Stimmung der oberen Saiten ist d", fis\ d\ a, d, A; 
die Stimmung der unteren (Metall-)Saiten ist d', a, fis, d, a,ßs, d. 
Letztere unterstützen den Klang als Partialtöne; gerade durch dieses 
Nachklingen der Metallsaiten wird der Ton dieses Instrumentes, wel 
ches einen Umfang vom grossen A bis zum dreigestrichenen a " besitzt, 
ein ungemein sympathischer. Daher sagt schon Mattheson in seinem 
Orchester Theil I, Seite 282: „Die verliebte Viola d’amore führt den 
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