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Gruppe XV. Musikalische Instrumente.
wenn es auch jetzt noch (z. B. Ziegler in Wien) Verfertiger gieht,
welche mit Glück das alte System zur Grundlage nehmen. Von der
Flötenconstruction sind die Vervollkommnungen auf die übrigen Instrumente
ausgegangen, nachdem der alte Mechanismus der Flöte verschwunden
war und neuen Einrichtungen Platz gemacht hatte. Bei
der älteren Flöte fehlte nämlich das Ansatzstück ganz, der Grundton
war d' und lange Zeit zählte sie nur eine einzige Klappe vom unteren
Ende für das dis, welche von dem Virtuosen Quanz, dem Lehrer Friedrichs
des Grossen von Preussen, 1726 angebracht worden war. Die
sechs Tonlöcher für die Finger der linken und rechten Hand gaben,
wenn sie von unten der Reihe nach geöffnet wurden, die übrigen Töne
der 7i-rf«r-Tonleiter e',fis', g\ ü!, h', eis”.
Um /zu erhalten musste das Seitenloch fis geöffnet, das für e'
aber geschlossen werden. Man,nannte diese Griffe „Gabelgriffe“, mit
deren Hilfe man auch gis, V und c hervorbringen musste. Um die
Stimmungsdifferenzen mit dem Orchester auszugleichen, musste der
Virtuos im Stande sein, den Ton durch stärkeres Anblasen in die Höhe
zu treiben und durch stärkere Deckung des Mundlochs mit den Lippen
ein wenig zu vertiefen. Dieses alte System wurde verbessert, indem
man für die chromatischen Töne Seitenlöcher anbrachte, welche
durch Klappen mit Federdruck geöffnet werden. Die Behandlung
ist dadurch leichter und das Spiel bedeutend reiner geworden, ohne
dass man die alten Gabelgriffe ganz aufgegeben hat.
Am Ansatzstück oder Fuss sind jedoch die Klappen offen, an einem
/-Fuss sind zwei, eine eis- und d' - Klappe, angebracht, an dem ft'-Fuss
befindet sich die /-Klappe.
Theobald Böhm von München, mit der Akustik gründlicher vertraut,
als die meisten seiner Fachgenossen, beseitigte die alten Gabelgriffe
und erzielte mit weiteren Tonlöchern einen grösseren Ton auf
dem Instrument. Die geschlossenen Klappen für die chromatischen
Tone wurden nun offenstehende, deren Schluss der Erfinder durch das
System der Ringklappen bewerkstelligte.
Da nun aber durch solche Einrichtungen die Behandlung der Flöte
etwas geändert wurde und die Virtuosen vor einer Veränderung im
Griffsystem anfangs zurückschreckten, so fanden auch die Verbesserungen
Böhm’s trotz der Unterstützung von Seiten der französischen
Akademie nicht leicht Eingang. Die musikalischen Vortheile sind aber
hinsichtlich der Stimmung, der Ansprache und des Klangcharakters
so bedeutende, dass jedenfalls in nicht ferner Zeit das jetzt noch vervollkommnete
Böh m’ sehe System bald alle anderen auf die ältere Construction
sich stützenden Mechanismen verdrängen wird. Weniger
sicher erscheint mir die allgemeine Einführung der Metallflöten, weil
das Holz als gutes Resonanzmaterial gegenüber den Blechinstrumenten
im Orchester zur reicheren Klangfarbenschattirung beiträgt.