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Section IV. Waaren aus anderen Metallen etc.
Herstellung dieser Waaren ist seit alter Zeit ein specieller Zweig des
Nürnberger Handwerks gewesen und bat sich zum Theil noch bis auf
die heutige Zeit hier erhalten, wenn auch seit Aufhebung der Zünfte
und Einführung der Gewerbefreiheit in wesentlich veränderter Form.
In früherer Zeit bildeten die Balkenschmiede eine eigene Zunft.
Die Nürnberger Wagen- und Gewichtefabrikation gehört eigent
lich dem Gewerbe der Roth- und Gelbgiesser an. Sie gliedert sich
in der Art, dass ein sogenannter „Verleger“ die einzelnen Theile von
den „Heimarbeitern“ erhält, die Waare zum'Verkauf fertig macht, auf
Lager hält und an den bestellenden Kaufmann abliefert. Zuweilen ist
der Verleger auch Giesser, wo er dann die gegossenen Theile an die
Heimarbeiter zur weiteren Bearbeitung hinausgiebt. Solcher Verleger
giebt es etwa acht, von denen ein Theil in neuerer Zeit fabrikmässigen
Betrieb eingeführt hat. Die eisernen und stählernen Balken werden
geschmiedet und zwar aus bestem Nassauer Holzkohlenstabeisen und
steirischem Stahl. Gegenwärtig existirt nur noch eine einzige solche
Balkenschmiede, in welcher der Besitzer mit seinem Sohn bis vor
Kurzem wohl keine andere Arbeit gemacht haben. Meistens lassen
die Verleger jetzt schmieden. Die geschmiedeten und, wenn von Mes
sing, die gegossenen Balken werden an die Heimarbeiter, welche in
ihren Wohnungen, zuweilen unter Beihilfe der Familie, arbeiten, hinausge
geben; diese liefern die fertigen Balken wieder an den Verleger zurück.
Die Ketten zum Aufhängen der Schalen machen die Nadler, auch
existirt eine Fabrik, von C. Distel, dafür. Die Schalen werden auf
der Drehbank gefertigt, ovale Hornschalen aus Eschwege in Hessen
bezogen. .
So werden in Nürnberg Wagen und Wagschalen als eigentliche
Manufacturartikel gefertigt, von den kleinen, welche als Kinderspiel
zeug dienen, bis zu feinsten Apotheker-, Gold- und Diamantwagen.
Die Zahl der Arbeiter lässt sich nur schwer ermitteln und wechselt je
nach dem Geschäftsgang, doch dürften kaum mehr als 20 selbstständige
Meister gezählt werden. Die gewöhnlichen Gewichte, die Apotheker
gewichte und die bekannten Einsatzgewichte wurden früher ebenfalls
in sehr bedeutenden Mengen gefertigt, jetzt seit Einführung des
Grammengewichtes sind letztere beiden weniger gangbar geworden.
Die Bedeutung der Nürnberger Wagenfabrikation ist trotz des
scheinbar geringen Umfangs noch eine sehr grosse. Haben doch
einzelne Fabrikanten in ganz gewöhnlichen Sorten 40 000 bis 50 000 fl.
Jahresproduction. Ein grosser Uebelstand für diesen Industriezweig
liegt in der Ungiltigkeit des bayerischen Aichstempels im übrigen
Deutschland und im Auslande. Da der bei weitem grösste Theil der
Waare exportirt wird, und geaichte Wagen und Gewichte überall ver
langt werden, so würde die Production einen grossen Aufschwung
nehmen, wenn die bayerüehe Stempelung z. B. in Norddeutschland