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Gruppe VII. Metall-Industrie.
Giltigkeit hätte. So aber muss eine dort zu gebrauchende Wage
mit dem dort gütigen Stempel versehen sein und ungeaichte Waaren
sind weit weniger verkäuflich. Könnte dagegen in Bayern fabricirte
Waareauch hier gültig, d. h. für das übrige Deutschland gültig, geaicht
werden, so würde ein weit stärkerer Export derselben stattfinden können.
Dasselbe gilt auch von den hier gefertigten Gewichten und hat sich
besonders bei Einführung des Grammengewiehtes sehr empfindlich
geltend gemacht. Durch Einführung der Aichung und Stempe
lung von Reichswegen würde diesem Uebel am einfachsten abgeholfen
werden können.
Wir heben von den Nürnberger Ausstellern S. Wehe fr itz undJ.F.
Christian hervor. W eh efritz fertigt besonders feine Apothekerwagen,
Christian, ein erst kürzlich gegründetes Geschäft, fertigt als Specialität
Wagschalen aller Grössen in schwachem Messingblech gedrückt. Carl
Lotter, vorm. Klingenfeld, dessen Fabrikate der XIV. Gruppe ein
gereiht waren, fertigt die sogenannten Klin genfei d’schen Tafelwagen,
bei welchen, durch eigenthümliche Hebelcombinationen, die Wagschalen
über einander stehen, oben die Schale für Waaren, unten die für Gewichte.
Von anderen deutschen Firmen nennen wir noch Gebr. Pfitzer
inOschatz undGebr.Kuhn & Vauconsantin St.Barbara undZabern,
deren Fabrikate jedoch nicht den Beifall fanden wie die Nürnberger.
Kupferwaaren. Während in früherer Zeit eine Küche voll
blanken Kupfergeschirres der Stolz der Hausfrau war, ist durch den
allgemeinen Gebrauch des Porcellanes und der Fayence der Absatz in
Kupfer getriebener Haus- und Küchengeräthe fast ganz geschwunden
und auf den von Back- und Puddingformen, Wasserbutten und noch
einige wenige andere Geschirre reducirt. Dafür sind die Kupfer
schmiede durch den grossen Bedarf an Brauerei- und Brennereiappa
raten entschädigt worden. Mit Rücksicht auf das Kunstgewerbe ist
die Abnahme des Verbrauches getriebener Kupferarbeiten freilich zu
bedauern, denn an den Vacuumpfannen und Leitungsröhren lässt sich
keine Ornamentik anbringen. So ist denn auch an kunstgewerblicher
Kupfertreibarbeit auf der Ausstellung fast nur aus dem Orient Einiges
vorhanden. Wir sahen ornamentirte Gefässe verschiedener Form in der
Ausstellung vom Kaukasus, aus Tiflis und in der persischen und tür
kischen Abtheilung. Es sind meist Kohlenbecken, Mangal, Wasch
schüsseln und Kannen, wie sie im orientalischen Bade gebraucht werden,
Wasserpfeifen und Aehnliches. Auch Britisch-Indien hatte solche Ge
fässe in geringer Zahl gebracht. In der französischen Abtheilung
hatten zwei Aussteller, Petitjean Menesson & Wery Menesson,
Schüsseln, und Monduit-Bechet & Co. in Paris (in der Rotunde)
Dachbedeckungen, Thurmspitzen und Figuren in getriebenem Kupfer
und Blei ausgestellt. Die deutsche Aussteifung war zahlreicher, aber